Visages d'enfants (1925)
Am 24. Januar 1925 erschien Jacques Feyders "Visages d'enfants": Zu der Zeit war eine Etablierung von Kinderrechten gerade erst einige wenige Jahre alt, die Filmlandschaft reagierte aber bereits einfühlsam auf das Thema, wenn auch kaum explizit politisiert. Aber es häuften sich die ergreifenden Kinderschicksale auf den großen Leinwänden. Und "Visages d'enfants" war dabei einer der schönsten Filme: Die renommierten Kameramänner Léonce-Henri Burel und Paul Parguel erzielen in den Schweizer Alpen wundervolle Aufnahmen, die sich aber nicht auf Landschaftsaufnahmen beschränken, sondern auch geschickt platzierte Point-of-view-Aufnahmen umfassen; eine geschickte Montage setzt die Aufnahmen in ein effektives Zusammenspiel, derweil nuanciertes Schauspiel und liebesvolle Ausstattung ebenfalls für ein hohes Niveau sorgen. Die Geschichte beginnt zwar im Grunde mit dem Tod der Mutter der jungen Hauptfigur und wird die ihm später vorgesetzte Schwiegermutter als Konfliktpotenzial einsetzen, aber dennoch hüten sich Feyder und seine Autoren vor stereotypen Figuren: es ist keine böse Schwiegermutter, die der Hauptfigur das Leben zur Hölle macht, sondern es ist eine komplexe Gemengegelage der unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der verschiedenen Figuren, die allmählich ausgelotet sein will, um Ruhe und Harmonie ins veränderte Familienleben zu bringen. Und trotz dieses Bemühens um Ausgewogenheit scheut Feyder nicht die spektakulären Höhepunkte, die sich in gewaltigen Fluten ereignen. Rundum voller Stärken gehört "Visages d'enfants" zu jenen Stummfilmdramen, die noch heute packen und ergreifen und ihr Publikum nicht ungerührt zurücklassen.
Bei absolut Medien liegt der Film preiswert in der arte Edition auf DVD vor: Fassungseintrag von dvdeus
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