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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Schlesingers bissiges Hollywood-Drama nach Nathanael West

Stichwörter: 1970er Atherton Black Drama Hopkins Jubiläum Klassiker Literaturverfilmung Meredith Metafilm Page Satire Spielfilm Sutherland USA West


The Day of the Locust (1975)
Nathanael Wests Roman "The Day of the Locust" wird gerne zu den besten US-Romanen des 20. Jahrhunderts gezählt: Der aus gesundheitlichen Gründen nach Hollywood gezogene frühere Buchhalter Homer Simpson wird in seiner neuen Heimat vom egozentrischen Starlet Faye Greener ausgebeutet, in das sich auch der in Hollywood als Hintergrundmaler scheiternde Künstler Tod Hackett vergeblich verliebt, mit seinen geringen finanziellen Mitteln aber keine Chance bei Greener hat. Und als wäre diese Figurenkonstellation an der Grenze zwischen Glamour und Enttäuschung, Gedeih und Verderben nicht schon aufreibend genug, bricht letztlich, nach einigen Wogen des Katastrophalen und der Gewalt, eine wahre Apokalypse los, als Simpson am Rande einer großen Filmpremiere in einem provozierten Wutausbruch ein Kind regelrecht zuschanden trampelt und von der aufgebrachten Menge geradezu zerfetzt wird. Den Klassiker-Status erarbeitete sich Wests Roman erst über die Jahre hinweg. Als am 7. Mai 1975 John Schlesingers Verfilmung "The Day of the Locust" seine Uraufführung erlebte, da galt Wests Werk bereits als starker Roman, dessen Verfilmung beim Publikum aber auf wenig Resonanz stieß und von der Kritik zunächst kontrovers beurteilt wurde. Heute gehört der Stoff, der das furiose, aufreibende Ende brachial in Szene setzt – wobei sich Donald Sutherland hier auf seine Rolle des Kinder tödlich missbrauchenden Faschisten in Bernardo Bertoluccis "1900 (Novecento)" (1976) vorbereiten konnte –, zu den gerühmten Werken Schlesingers, der von "Midnight Cowboy" (1969) bis "Marathon Man" (1976) seine bemerkenswertesten Arbeiten hervorbrachte. Karen Black, Burgess Meredith, William Atherton, Geraldine Page und Bo Hopkins zählen ebenfalls zum beachtlichen Cast des Films, der zwar gemäß der literarische Vorlage in den späten 30er Jahren angesiedelt ist, aber den Umbruch vom Classical Hollywood zum New Hollywood sicherlich in sich aufgenommen haben dürfte.
Die alte Paramount-DVD kann immer wieder mal für erschwingliche Preise erworben werden: Fassungseintrag von jtip



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