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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Sadismus à la Jess Franco

Stichwörter: 1970er Drama Erotik Franco Frankreich Horror Jubiläum Klassiker Spielfilm Thriller


Plaisir à trois (1974) & La comtesse perverse (1974)

Im Gegensatz zum vergleichsweise gediegen anmutenden "Marquis de Sade: Justine" (1969) entpuppten sich Jess Francos freie de-Sade-Variationen "Eugenie" (1970) und der 1970 gedrehte "Eugénie" (1973) als sehr viel geeigneter, seine schon früher klar hervorstechenden Faszination für eine eher abgründige Erotik zur treibenden Dominante in seinem Schaffen zu machen, das vor allem auch vom klassischen Horrorfilm erheblich geprägt worden war.
Schwelten geheime Lüste schon in so mancher gothic novel, so waren doch die veräußerlichteren Vertreter des filmischen gothic horrors mitunter erstaunlich asexuell. Nachdem Franco schon vielfach die Motive des klassischen Horrorfilms und insbesondere den besonders geeigneten Vampirfilm (mit unterschiedlich überzeugenden Ergebnissen) erotisiert hatte, wählte er sich Mitte der 70er Jahre dann zwei Vertreter des klassischen Horrorfilms als Bezugspunkt, die ihrerseits schon Sadismus und Fetischismus zelebrierten.
Etwas weniger gilt das für "Mystery of the Wax Museum" (1933), den Franco zum vagen Bezugspunkt des im Februar 1974 uraufgeführten "Plaisir à trois" machte. Wie in seinen de-Sade-Adaptionen gerät hier eine unschuldige junge Frau in den Bann eines verdorbenen Paares, das Böses zu planen scheint, bis sich die Umstände überraschend – aber nicht weniger böse – ändern. Und wie in Michael Curtiz' erwähnten Horror-Klassiker verwandeln sich hier Opfer der Gewalt in bewundernswerte Statuen, werden Personen gemordet und als Kunstwerk konserviert, wobei der erregende Aspekt dieser Kunst bei Franco deutlicher ausformuliert wird.
Noch überzeugender gelingt Franco diese im besten Sinne perverse Aneignung des Horrorkinos der 30er Jahre mit "La comtesse perverse", der am 19. Juni 1974 seine Uraufführung erlebte. Wie Graf Zaroff in "The Most Dangerous Game" (1932) ist Gräfin Zaroff begeistert von der Jagd – auf Menschen. Mit der Hilfe ihres Gemahls stellt sie ihren Opfer mit Pfeil und Bogen, aber ohne Kleidung nach, bis schließlich gemeinsam das Fleisch der Erlegten verzehrt wird. Auch hier gibt es ein Pärchen, das sich junge Frauen gefügig zu machen weiß – um sie später an die Zaroffs auszuliefern. Doch Franco vollzieht eine Trennung zwischen sadomasochistischem Spiel und sadistischer Lust, baut die sadistische Aristokratin und ihren Zwischenhändler, der sich längst in das letzte angedachte Opfer verliebt hat, als Gegenspieler aus: Am Ende des Film stehen dann zwei Männer, von denen ein jeder den Verlust der Partnerin zu beklagen hat. Doch der Sadist wird die Überreste seiner Gemahlin verspeisen, sein Gegenspieler steigt mit dem Leichnam seiner Begehrten zwecks Liebestod in die Fluten: zwei gänzlich unterschiedliche Versuche der Verschmelzung in einem der überzeugenderen Francos, der trotz seines durchdachten Aufbaus und des ästhetischen Spannungsreichtums seine Lust am Spekulativen nirgends zu verbergen sucht.
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