L'important c'est d'aimer (1975)
Schon Andrzej Zulawskis "La sorcière" (1958) entstand in Frankreich: es war die erste Regiearbeit, ein Kurzfilm noch – wie kurz darauf auch die zwei folgenden, in Zulawskis Heimat Polen entstandenen Arbeiten. Nach "Trzecia czesc nocy" (1971) und "Diabel" (1972) – neben dem ebenfalls in Polen entstandenen "Na srebrnym globie" (1976/1988) wohl die stärksten Arbeiten des Regisseurs – inszenierte Zulawski dann wieder einen Spielfilm, diesmal einen Langfilm, in Frankreich: Mit Romy Schneider, Fabio Testi, Jacques Dutronc und Klaus Kinski prominent besetzt, ist der am 12. Februar 1975 uraufgeführte "L'important c'est d'aimer" unter den frühen Langfilmen des Regisseurs der erste ohne phantastisches Element. Geschildert wird allerdings gewohnt brutal und kraftvoll ein Liebesdrama zwischen Ängsten, Sorgen, Zwängen und Gewalt: Romy Schneider gibt die Schauspielerin Nadine Chevalier, die sich in eher spekulativen Projekten untergehen sieht. Bei den Dreharbeiten trifft sie mit dem Fotografen Servais (Testi) zusammen; es beginnt eine Affäre, die jedoch klein gehalten wird, da Chevalier emotional innig mit ihrem so impotenten wie depressiven, wenngleich schelmisch-verschmitzten Lebensgefährten (Dutronc) verbunden ist: ein Cineast mit kindlicher Begeisterungsfähigkeit, zärtlich, zerbrechlich und intelligent; einmal gar trauriger Clown mit geschminktem Lächeln. Für ihn hat die Entwicklung ebenso radikale Folgen wie für Servais dessen Bemühungen, Chevalier eine anspruchsvolle Theaterrolle zu schaffen – auch wenn er sich dazu mit dem organisierten Verbrechen einlässt, obgleich schon sein Vater ausgesprochen schlechte Erfahrungen mit dem schmierigen Gangster Mazelli gesammelt hat, mit dem Servais eigentlich nun einen unangenehmen Vertrag endlich zur Auflösung gebracht hatte. Jede(r) scheint für sich allein zu sein in diesem Film; die Beziehung zu anderen ist nie nur Lösung der Probleme, sondern immer zugleich auch Ursache anderer Probleme. Drumherum siedelt Zulawski passende Nebenfiguren an: den verschrobenen Bücherwurm – Gatte von Sarvais' früherer Geliebter –, den seine Bildung nicht davon abhält, zwischen schlechter Ernährung und Alkohol zu verlottern; der ebenso sanfte wie cholerische Schauspieler, der noch mit seinen Sexualpartnerinnen dennoch einsam ist… Wie schon (und auch später immer wieder) in anderen Arbeiten treibt Zulawski auch diesmal seine international namhafteren Darsteller(innen) zu wahren Kraftakten: es wird gewütet, geschrien, geweint, gelitten, verzweifelt und immer wieder wird irritierend zwischen widerstrebenden Gefühlen balanciert. Die wie so oft bei Zulawski rasante Inszenierung, die sich auch den satten Bildern von Sex und Gewalt nicht versperrt, schafft einmal mehr den richtigen Rahmen dafür – und macht "L'important c'est d'aimer" zu einem der kraftvollsten Liebesdramen seiner Zeit.
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