La société du spectacle (1974)
Über den Surrealismus, den Lettrismus und die Lettristische Internationale entwickelte sich in den späten 50er Jahre die Situationistische Internationale, die sich 1972 schließlich wieder auflöste. Bis dahin widmete man sich in ihr zwischen Philosophie, Avantgarde und Aktivismus einer Gesellschaftskritik im Geist der 68er-Bewegung, machte sich für Aneignungsstrategien, Zweckentfremdungen und Kommunikationsguerilla stark, attackierte den Kapitalismus, baute eine Kluft zwischen Hoch- und Populärkultur ab und prägte so unterschiedliche Phänomene wie die Filmarbeit Jean-Luc Godards oder den Punk. Bekanntestes Gesicht der Situationistischen Internationale sollte Guy Debord, der letztlich auch die Auflösung vorantrieb, sein und bleiben; sein Buch "La société du spectacle" (1967) geriet zur bekanntesten Veröffentlichung aus dem Umfeld der Situationisten. Im Jahr nach der Auslösung arbeitete sich Debord noch an der Fertigstellung eines Films zum Buch ab, der Anfang Mai 1974 seine Premiere feiern sollte. Die filmische Collage, die ohne Kenntnis des bereits nicht unbedingt leicht lesbaren Buches ihrerseits ungleich schwieriger daherkommt, arbeitet sich wie die Vorlage an dem ab, was Debord als Spektakel bezeichnete: ein umfassendes Phänomen, das zwischen Werbung, Massenmedien, Politik, Bürokratie und vielem anderen anzusiedeln wäre und eine Pseudogesellschaft präge, in der Erfahrungen durch Vorstellungen ersetzt werden und vorgefundene Bilder das Handeln auszeichnen bzw. die Verhältnisse der Personen untereinander bestimmen. Ähnlich wie das Buch zum Kult-Klassiker einer politisierten Linken jener Jahre avanciert, hat der durchaus faszinierende, aber eben auch sperrige, voraussetzungsreiche, inzwischen vor allem auch als historisches Dokument daherkommende und letztlich gedanklich zu aktualisierende avantgardistische Essayfilm – geradezu ein selbstbewusster Anti-Film – dennoch einen schweren Stand: die schlechte Verfügbarkeit hierzulande und der doch recht spezielle Charakter tragen dazu bei. In Frankreich immerhin wurde der Film, der im Grunde die Zerstörung eines kommerziellen Kinos einfordert, mit dem restlichen filmischen Werk Debords (ohne Untertitel) in einer kleinen Edition auf DVD veröffentlicht: Fassungseintrag von Vergil666
Registrieren/Einloggen im User-Center