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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Marco Ferreris berüchtigter Skandalfilmklassiker

Stichwörter: 1970er Drama Erotik Ferréol Ferreri Frankreich Italien Jubiläum Klassiker Komödie Mastroianni Noiret Parabel Piccoli Satire Skandalfilm Spielfilm Tognazzi

La grande bouffe (1973)

Marco Ferreri galt schon in seiner Karriere als Skandalfilmer mit Hang zum Geschmacklosen. Konservative Kritiker bemängelten das schon Ende der 60er Jahre. Und der am 21. Mai 1973 uraufgeführte "La grande bouffe" ist sicherlich der Film Marco Ferreris, der am ehesten im kollektiven Gedächtnis geblieben ist: Es ist einer der großen 70er-Jahre-Skandalfilme par excellence. Zwar mag heute ein ungeniert vor der Kamera masturbierender Gerard Depardieu in "La dernière femme" (1976) eher irritieren als die Völlerei-, Flatulenz-, Fäkal- und Erotik-Szenen aus "La grande bouffe", aber die Aufmerksamtkeit, die der Film damals erregte, war immens und ist entsprechend im Gedächtnis hängen geblieben. Groß war die Aufmerksamkeit, weil Ferreri (nicht zum letzten Mal) vier der größten Stars des europäischen Weltkinos vor der Kamera vereinte: Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Philippe Noiret und Ugo Tognazzi bilden das Hauptdarsteller-Ensemble, dem als weibliche Ergänzung Andréa Ferréol hinzugefügt wird. Ihre Figur ist es auch, die der Satire über lebensmüdes, überdrüssiges Einverleiben bis zum Tode eine Ebene jenseits des dekadenten Konsums verschafft: Während die vier Männer sich in eine Villa zurückziehen, um sich dort zu Tode zu fressen und zu scheißen, wird die Frau das ganze Procedere als Zeugin und Teilnehmerin überleben (und im Vorfeld die unterschiedlichen Charaktere der vier Männertypen hervortreten lassen). "Il futuro è donna" (1981), behauptete ein Ferreri-Filmtitel eine Dekade später und fasste zusammen, was frühere Filme Ferreris schon zum Ausdruck brachten: etwa "La grande bouffe" oder "La dernière femme", in dem sich ein beziehungsuntauglicher Depardieu letztlich sein Geschlechtsteil abtrennen wird. Das war die feminismusaffine Reaktion auf die Bestandaufnahme früherer Filme, in denen vor allem eine zynische Frauenfeindlichkeit der Männer herausgearbeitet worden war: in "La donna scimmia" (1963), "L'harem" (1967) oder "Dillinger è morto" (1969).
Mehr? Review von Bretzelburger...


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