Meyer aus Berlin (1919)
Als Ernst Lubitsch im Sommer 1918 "Meyer aus Berlin" drehte, ahnte er noch nicht, dass die Premiere seiner "Carmen" (1918) am Jahresende ein durchschlagender Erfolg werden sollte, der zudem in Deutschland das Selbstbewusstsein erschuf, man könne nun mit führenden Filmnationen konkurrieren. Als der Film dann am 17. Januar 1919 uraufgeführt worden ist, galt Lubitsch – schon seit rund fünf Jahren ein großer Name im deutschen Filmgeschäft – endgültig als Aushängeschild des deutschen Kinos; Wiene, Lang und Murnau sollten sich erst noch hinzugesellen. Und so verwundert es auch nicht, dass die kurze, frivole Komödie, in der Lubitsch als Herr Meyer im Urlaub mit der hübschen Kitty anbandelt, derweil sich seine Gattin mit Kittys Verlobten an ihre Fersen heftet, von der Kritik als spritzig-pfiffiges Lustspiel gut aufgenommen worden ist. Obwohl Lubitsch wieder einmal als jüdische Witzfigur Sally (diesmal Sally Meyer, nicht Sally Pinkus) brilliert und somit gewissermaßen seine später umstrittene, dem Antisemitismus-Verdacht ausgesetzte Paraderolle wiederholt, gilt "Meyer aus Berlin" (wie der mittlerweile doch etwas kritischer betrachtete "Carmen") als einer der nebensächlicheren Lubitschfilme – und ist dennoch zu einiger Aufmerksamkeit gelangt, weil er für mehrere Jahrzehnte verschollen zu sein schien. Bloß kurze Fragmente waren noch bekannt, in den Zeiten vor dem Internet jedoch praktisch nicht zu sichten. Dann tauchte allerdings in den 90er Jahren eine Kopie in den Niederlanden auf – und "Meyer aus Berlin" konnte 1995 auf arte wieder zugänglich gemacht werden.
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