23. April 2018

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: King & Romero – wieder vereint

The Dark Half (1993)

George A. Romero hatte 1968 mit dem Zombie-Klassiker "Night of the Living Dead" Filmgeschichte geschrieben; fortan hatte er sich mit einigen vergleichsweise kleinen Klassikern hervorgetan, um 1978 mit "Dawn of the Dead" zu seinem großen Klassiker zurückzukehren und einen weiteren Markstein im Genre zu hinterlassen. In der Zwischenzeit hatte auch Stephen King nach 1½ Jahrzehnten kleinerer Kurzgeschichtenveröffentlichungen mit "Carrie" (1974) seine Spuren hinterlassen: Bereits 1976 kam die erste King-Verfilmung durch de Palma heraus. In den nächsten zehn Jahren haben sich dann unter anderem Tobe Hooper, Stanley Kubrick, David Cronenberg, John Carpenter, Lewis Teague, Stephen King höchstselbst und Rob Reiner an seinen Vorlagen versucht.
King und Romero taten sich bereits in "Knightriders" (1981) zusammen - Romeros erste Regiearbeit seit seinem Kassenerfolg "Dawn of the Dead". Stephen King hatte zu dieser Zeit bereits u.a. mit den Romanen "Salem's Lot" (1975), "The Shining" (1977) und "The Dead Zone" (1979) einige seiner besten Arbeiten abgeliefert. Beide befanden sich zweifelsohne auf einem Karrierehöhepunkt, als King mit einem kleinen Auftritt in "Knightriders" für Romero vor die Kamera trat. Es folgte "Creepshow" (1982), eine Hommage an die EC-Comics, die Romero nach Kings Drehbuch inszenierte - und in der abermals Stephen King vor die Kamera trat, wobei sein mangelhaftes Schauspiel-Talent dem Konzept des Films noch zugute kam. Der erfolgreiche Film versorgte auch die TV-Serien à la "Twilight Zone" (1959-1965) mit frischem Blut, denen Stephen King mindestens ebensoviel verdankte wie den EC-Comics und denen Romero später noch mit der Serie "Tales from the Darkside" (1983-1988) huldigte. Weitere Zusammenarbeiten zwischen den Horror-Großmeistern beschränkten sich dann im Grunde darauf, dass King und Romero mit Storys bzw. Vor-/Nachworten gemeinsam in manchen Anthologien vertreten waren, etwa im "Book of the Dead" (1989).
1993 folgte dann schließlich eine King-Verfilmung durch Romero, die durchaus zu den besten King-Verfilmungen überhaupt gezählt werden kann, wenngleich auch hier die Verknappung eines zighundert-Seiten-Romans auf einen knappen Zweistünder manchen Fan der Vorlagen enttäuschen dürfte: Der am 23. April 1993 uraufgeführte "The Dark Half" - Romeros erster Langfilm seit fünf Jahren und sein letzter für weitere sieben Jahre - entstand nach dem gleichnamigen Roman und nachdem eine Romero-Verfilmung von "Pet Sematary" (1983) Ende der 80er Jahre nicht zustande gekommen war.
Der Roman stellte unübersehbar eine Reaktion auf die Entlarvung von Kings Pseudonym Richard Bachmann dar und variiert darüber hinaus Henry S. Whiteheads Kurzgeschichte "Cassius" (1931) und Henenlotters Kultfilm "Basket Case" (1982). Wie so oft geht Kings phantastische Konstruktion jedoch nicht so ganz auf: während Emotionen und Ängste, Begierden und Binsenweisheiten der Hauptfiguren recht eindringlich vermittelt werden und die bedrohlichen Situationen und Gewaltspitzen bei der Stange halten, verzettelt sich King einmal mehr dabei, verschiedene phantastische Ansätze miteinander zu vermengen. "The Dark Half" ist ein assoziationsreicher Mix aus bekannten Genre-Versatzstücken, die man allesamt nur teilweise fruchtbar machen kann, ohne dass sie wirklich ineinandergreifen. Derartige konzeptionelle Probleme fand man bei King schon in "The Shining" oder "Christine" (1983). Und auch hier ist der Roman manchmal ein Werk über Wirkmacht des geschriebenen Wortes, über den Wahn, über Geheimnisse der Zwillingsforschung oder über einen wunderbaren Doppelgänger, ohne dass etwas davon wirklich zufriedenstellend zu einem Ende gedacht wird.
Romero lässt ein paar dieser Versatzstücke weg, baut andere etwas anders aus, hinterlässt aber ebenfalls einen nicht völlig runden Eindruck. Aber eine sorgfältige Regiearbeit mit kleinen inszenatorischen Highlights - durch Christopher Youngs brillanten Soundtrack und einige Elvis Presley-Songs bestens unterstützt! - und ambitionierte Darsteller(innen) - darunter Michael Rooker und Amy Madigan –, von denen insbesondere Timothy Hutton in seiner Doppelrolle überzeugt, ergeben einen eindringlichen Horrorfilm, der bei OFDb Filmworks seit einem knappen Jahr in hervorragender Form veröffentlicht worden ist: Fassungseintrag von Nerf

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