18. August 2017

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Woody Allen und Mia Farrow trennen sich…

Husbands and Wives (1992)

Mit "A Midsummer Night's Sex Comedy" (1982) tritt Mia Farrow in Woody Allens Schaffen: Farrow, mit der ihn seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre eine Beziehung verband, spielte noch in 12 weiteren Allen-Filmen mit, zumeist an der Seite des Komikers. Sie löste gewissermaßen Diane Keaton ab, die in den 70er Jahren Allens wichtigste Partnerin (nicht nur) auf der Leinwand war. "Husbands and Wives" sollte der letzte dieser Filme sein, der zugleich die skandalträchtige Trennung beider Stars im realen Leben begleitete.
Mia Farrow und ihr damaliger Lebensgefährte André Previn hatten 1978 die 1970 geborene Koreanerin Soon-Yi adoptiert; nach Farrows Trennung von Previn im Jahre 1979 und im Rahmen der beginnenden Beziehung mit Woody Allen agierte dieser als eine Art Stiefvater für die damals neunjährige Adoptivtochter Farrows. Knapp zehn Jahre darauf, zumindest aber ab Ende 1991 wird Allen Mia Farrow mit der 35 Jahre jüngeren Soon Yi hintergehen. (Die im Dezember 1997 geschlossene Ehe hielt sich entgegen aller Unkenrufe, mit welcher die Beziehung zwischen Allen und Soon Yi schon 1992 bedacht worden war, bis heute.)
Es war einer der größten Skandale der Filmszene seit dem Fall Polanski/Geimer: Das Fremdgehen, der Altersunterschied und vor allem der Umstand, dass Allen gewissermaßen der soziale Vater Soon Yis war, erregten die Gemüter weltweit. Zwischen Farrow und Allen kam es zu einer hässlichen Schlammschlacht: Farrow bezichtigte Allen des Kindesmissbrauchs an anderen Adoptivkindern (für welchen weder physische, noch psychische Untersuchungen Anzeichen zutage förderten), Allen ließ Farrow als labile und ihre (Adoptiv-)Kinder für eigene Zwecke instrumentalisierende Person diffamieren. Heftige Vorwürfe auf beiden Seiten, nicht zuletzt auf dem Rücken der (Adoptiv-)Kinder ausgetragen, von den Medien lange und intensiv ausgekostet...
Schon vor der realen Trennung zwischen Farrow und Allen gab es zudem Gerüchte, Allen sei während der Dreharbeiten zu "Husbands and Wives" eine Affäre mit Judy Davis eingegangen. "Husbands and Wives" musste daher unweigerlich auch als Produkt einer Beziehungskrise gesehen werden, nicht bloß als Film über eine Beziehungskrise. (Und der folgende "Manhattan Murder Mystery" (1993), den Allen ursprünglich durchaus noch mit sich und Mia Farrow zu besetzen gedachte, basiert zum Teil auf Material, welches Allen in "Annie Hall" (1977) nicht verwendet hatte: Für den Film kehrte dann auch wieder Diane Keaton an Allens Seite zurück.)

"Husbands and Wives" - der im November 1992 herauskommen sollte, infolge des öffentlichen Interesses an Allen und Farrow jedoch auf den 19. August vorgezogen worden war - spiegelte die Trennung von Farrow und Allen auf der Leinwand wieder, wenngleich die Fiktion hier wesentlich harmonischer ausfiel als die skandalöse Realität. Hier enden Beziehungen aus recht gewöhnlichen Gründen, aus reichlich alltäglichen Gründen, weshalb der Titel dann auch eine gewisse Allgemeingültigkeit für sich in Anspruch nimmt. Es ist ein reichlich tragikomisches Werk geworden, welches durch Carlo di Palmas Handkamera-Gebrauch und seine (ein wenig an Ingmar Bergmann erinnernden) Interview-Sequenzen eine unerwartete Frische in Allens Schaffen bringt: Wie fünf Jahre später in "Deconstructing Harry" (1997) bemüht sich Allen - der in den 90ern sonst eher konventionelle Inszenierungen ablieferte, wenngleich er mit "Shadows and Fog" (1991) dem Stummfilm und mit "Everyone Says I Love You" (1996) dem Musical huldigte - um eine vergleichsweise innovative Form der Inszenierung, die auf Cinéma vérité und New American Cinema gleichermaßen fußt... Semi-Dokumentarisches und ausdrückliche Spielfilm-Inszenierungen gehen dabei ganz unbekümmert Hand in Hand.
Inszenatorisch und dramaturgisch sicherlich einer der ambitioniertesten Allen-Filme der 90er Jahre, blieb der Film trotz eines phänomenalen Start-Wochenendes letztlich ein wenig erfolgreicher Allen, der nicht an seine großen Kassenerfolge ("Hannah and her Sisters" (1986), "Manhattan" (1979), "Annie Hall") anknüpfen konnte.

In spärlicher Aufmachung liegt der Film bei Tristar auf DVD vor: Fassungseintrag von Re-Animator

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