9. Januar 2017

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von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Berüchtigter Klassiker von Ryû Murakami

Topâzu (1992)

Ryû Murakami ist in seinem Heimatland zunächst als Schriftsteller bekannt geworden, ehe er auch auf filmischem Terrain Fuß fassen konnte. Hierzulande ist der japanische Autor und Regisseur vor allem durch zwei eher unbequeme Filme bekannt geworden: Zum einen durch Takashi Miikes verstörenden "Ôdishon" (1999), welcher auf einer Literaturvorlage Murakamis basiert; zum anderen durch "Topâzu", bei dem Murakami für Buch & Regie gleichermaßen zuständig war - und zugleich (und nicht zum ersten Mal) eine eigene Literaturvorlage adaptierte. Bei dieser handelt es sich um die Geschichtensammlung "Topâzu" (1988), mit der er einen düsteren Blick auf das Callgirl-Milieu wirft.

Mit seiner Verfilmung "Topâzu", die am 6. Januar 1992 in Japan anlief, wirft Murakami nun einen episodischen Blick auf die Erlebnisse seiner Protagonistin: Die junge Ai verdingt sich als Edelprostituierte im SM-Bereich. Und 'verdingen' ist hier ganz wortwörtlich zu verstehen. Gleichwohl er hierzulande lange Zeit in einer großzügig gekürzten Form als Erotikfilm vermarktet worden ist, handelt es sich bei "Topâzu" eher um einen unangenehmen, deprimierenden Blick auf eine - im deutschen Titel "Tokio Dekadenz" auch benannte - dekadente Gesellschaft, in der das Geld regiert und Leib & Würde zur potentiellen Ware werden. Im Kontrast dazu stehen Ais Name (Liebe) und ihr titelgebender Topas: In beidem drückt sich eine tiefe Sehnsucht aus, die inmitten der Erniedrigungen und Gewalttätigkeiten, die ihr Beruf mit sich bringt, zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Ähnlich tragisch ist die hiesige Veröffentlichung des Films: Erst mit 15jähriger Verspätung hat es eine ungeschnitte Version nach Deutschland geschafft, über arte im TV, sowie über die Ascot Elite-DVD (Fassungseintrag von rierami), welche jedoch aufgrund mangelnder Extras und einer nicht allzu hochwertigen Bild- & Tonqualität nicht übermäßig positiv aufgenommen worden war. Vor einigen Monaten sollte dann eine DVD- & BluRay-Limited Collector's Edition erscheinen, die dann ohne Angabe von Gründen vor dem Erscheinungstermin zurückgezogen worden war. Nun allerdings ist der Film bei Turbine auf BluRay in zwei Versionen als kostenspielige, auf 2000 Exemplare limitierte Deluxe Edition im Lederimitat-Mediabook erhältlich...
Mehr? Review von c.funke

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