Harvey (1950)
Es ist eine ungewöhnliche Konstellation, die Mary Chase mit ihrem Theaterstück ,,Mein Freund Harvey" ersonnen hatte: Ihre Hauptfigur ist ein Mann, der einen großen weißen Hasen als besten Freund hat, den zugleich nur er sehen kann. Würde man nun vermuten, dass er damit einen Hau weg hätte, läge man gar nicht so weit daneben, aber man muss das in diesem Fall in Relation sehen: Im Vergleich zu seinen Mitmenschen, die ihn umgeben, ist jener Elwood P. Dowd noch der ,,Normalo". Das 1944 zunächst noch unter dem Titel ,,The White Rabbit. A Comedy in Three Acts, Five Scenes" aufgeführte Stück entpuppte sich dabei als ein solcher Erfolg mit 1.775 Aufführungen in fünf Jahren am Broadway, dass kurz darauf – nach Einstellung des Stücks – die Verfilmung von Henry Koster folgte. Für einige der Figuren wurden Broadway-Darsteller ausgewählt, die bereits die entsprechenden Rollen am Broadway verkörpert hatten, so Josephine Hull als Elwoods hysterische Schwester Veta (die auch mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet werden sollte) und Jesse White als Pfleger Wilson. Selbst der letztlich für die Hauptrolle auserkorene James Stewart war bereits vertraut mit seiner Figur, hatte er doch bereits als Urlaubsvertretung für den eigentlichen Elwood-Broadway-Darsteller Frank Fay fungiert. Die Elwood-Figur sollte für Stewart eine seiner persönlichen Lieblingsrollen sein, und man kann auch sehen, warum: Er ist der Ruhepol der Geschichte und begegnet allen Menschen mit einer geradezu unerschütterlichen Freundlichkeit, dass man nur allzu gern darüber hinwegsehen will, dass er offensichtlich verrückt ist. Mit seiner liebenswürdigen Entrücktheit hält er seinem nicht selten nörgelnden und hysterischen Umfeld den Spiegel vor und eröffnet damit etwa auch dem nüchternen Leiter der Anstalt, in die er von Veta abgeschoben werden soll, urplötzlich neue Perspektiven, auch mal träumen und die Realität hinter sich lassen zu dürfen. ,,Mein Freund Harvey" ist letzten Endes ein Plädoyer für Toleranz und Nächstenliebe, dem man seine Theaterherkunft zwar häufiger ansieht und das heutzutage womöglich etwas betulich daherkommt, hat das Herz aber am richtigen Fleck und bleibt stets sympathisch.
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