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von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Gerhard Lamprecht bleibt dem Milljöh-Film treu

Stichwörter: 1920er Deutschland Drama Jubiläum Klassiker Lamprecht Spielfilm Stummfilm Zille


Menschen untereinander (1926) & Die Unehelichen (1926)
Gerhard Lamprecht ist für seine Milieu- bzw. Milljöh-Studien á la Heinrich Zille in die Filmgeschichte eingegangen, gleichwohl er als Filmemacher und und Filmhistoriker wesentlich mehr zu bieten hatte. Aber mit "Die Verrufenen" (1925) hatte er Mitte der 20er Jahre einen Nerv getriffen und im Folgejahr blieb er diesem Erfolg mit dem am 3. April 1926 uraufgeführten "Menschen untereinander" und dem am 6. September 1926 uraufgeführten "Die Unehelichen" merklich verhaftet. Diese drei Filme bildeten im Rückblick das Hauptwerk seiner Milljöh-Dramen à la Zille, derweil das Historiendrama "Der Katzensteg" (1927) gänzlich andere Wege ging und das durchaus um Sozialkritik bemühte Prostitutionsdrama als eher melodramatisch wahrgenommen wurde. Völlig frei davon erscheint der nach Materialien des Vereins zum Schutze der Kinder gegen Ausnutzung und Mißhandlung ersonnene "Die Unehelichen" über die Schicksale dreier Arbeiterkinder: Nur zwei werden am Filmende noch am Leben sein, ein drittes, die kleine Lotte, stirbt im Fieber, da ärztliche Hilfe erst zu spät eingeholt wird. Gilt dieser Film als wegweisend für Lamprechts späteren Arbeiten "Emil und die Detektive" (1931) und "Irgendwo in Berlin" (1946), in denen Kinder auch tragende Rollen spielten, so ist "Menschen untereinander" wie noch "Die Verrufenen" den Schicksalen von Erwachsenen verbunden: Ein Berliner Mietshaus mit seinen in diverse Klassen einzuordnenden Bewohner(inne)n vom Anwalt bis zum Arbeitslosen steht im Zentrum der Handlung, die Klassenunterschiede und die Grenzen überwindenden Gemeinsamkeiten in den Blick nimmt. Anspruchsvolle in seiner Struktur neigt der Film allerdings zu naiv scheinenden Vereinfachungen, kulminierend in der mitleidlosen Hausbesitzerin. Dennoch sind die Vorzüge des Films, der als frühes Beispiel des Ensemblefilms mit seiner Vorliebe für Milieustudien, Sittenbilder und Gesellschaftskritik taugt, kaum zu übersehen …



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