21. Juni 2019

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Großes Kino von Zemeckis

Forrest Gump (1994)

Robert Zemeckis hat mit vergleichsweise kleinen Komödien begonnen, die über den abenteuerlichen "Romancing the Stone" (1985) schließlich recht spektakuläre Züge erhielten. Mit der "Back to the Future"-Trilogie (1985-1990) sowie mit "Who Framed Roger Rabbit" (1988) (und einem "Amazing Stories"-Beitrag) verfolgte er diese spektakuläre Linie in passend phantastischen Gefilden weiter und avancierte zu einem der vielversprechendsten Regisseure des phantastischen Films. "Death Becomes Her" (1992) passte da bestens ins Bild, mit dem am 23. Juni 1994 uraufgeführten "Forrest Gump" schlug er dann wieder einen etwas anderen Weg ein: Die (bis heute zu Zemeckis gehörenden) spektakulären Züge betreffen hier zum einen den beinahe epischen Abriss der jüngeren US-amerikanischen Geschichte und freilich die Trickeffekte, mit denen Hauptdarsteller Tom Hanks immer wieder in historische Originalaufnahmen hineingeschnitten worden ist (wie weiland Woody Allen in "Zelig"). Die auf einem Roman von Winston Groom basierende, naive Geschichte eines Tors, der trotz seiner Beinschienen und recht geringer Intelligenz Großes vollbringt und immer dicht an den Schlüsselmomenten der Weltgeschichte agiert, eröffnet eine Reihe von (wenn man so will) Charakterstudien, deren Hauptfiguren ungewöhnliche Leben leben: "Cast Away" (2000), "Flight" (2012), "The Walk" (2015), "Allied" (2016) wären zu nennen, ebenso der biografische "Welcome to Marwen" (2018), mit dem Zemeckis zugleich auch wieder an den phantastischen (und teils animierten) Film anküpft, der mit "Contact" (1997) und dem Animationsfilm-Dreierpack "The Polar Express" (2004), "Beowulf" (2004) und "A Christmas Carol" (2009) im zemeckischen Spätwerk zunehmend weniger Platz einnahm.
Zugleich beendete "Forrest Gump" als ziemlich wirkmächtiger Kassenerfolg im Grunde die relevante Phase von Zemeckis' Regiekarriere, dessen späteren Filme zunehmend konventioneller und weniger originell gerieten. Auch Tom Hanks, dem nach seinem Erfolg in "Philadelphia" (1993) hiermit ein neuerlicher Karriereschub vergönnt war, war nun zwar endgültig vom beliebt-sympathischen Komödiendarsteller zum gefragten Superstar avanciert: aber abgesehen von einigen diskutablen Titeln wie "Apollo 13" (1995), "Saving Private Ryan" (1997) oder "The Green Mile" (1999) erfüllte seine Filmografie seitdem nicht jene Versprechen, die seine frühe Karriere zu geben schien. "Forrest Gump" indes zeigt Regisseur und Hauptdarsteller noch einmal von der besten Seite: zurecht einer der beliebtesten großen Mainstream-Erfolge der 90er Jahre! Über die ideologischen Aspekte dieses ironisierten american-way-of-Life-Stoffes, die sich aus der Gegenüberstellung von Gumps erfolgreichem Werdegang nach seinem Vietnam-Einsatz und dem tragischen Scheitern seiner Jugendfreundin Jenny (die zwischen Civil Rights Movement, Hippies, Drogen und sexueller Revolution in der 68er-Bewegung zerbricht) ergeben, kann (und konnte) man sich freilich mokieren. Mit einer gutmütigen Grundierung überspielt der Films das allerdings gekonnt, zumal man ihn auch als einen Film lesen kann, in dem den Menschen das meiste unverdient zufällt oder zustößt.
Mehr? Review von Blade Runner

Details
Ähnliche Filme