Love and Death (1975)
Mit dem am 10. Juni 1975 uraufgeführten "Love and Death" zelebrierte Woody Allen noch einmal das Spiel mit Genre-Vorgaben: Nach den Sci-Fi-Mustern in "Sleeper" (1973) stellte er nun Historien- und Kostümfilm in den Mittelpunkt. Eine unter anderem im Dialog relativ deutlich ausgestellte Nähe zu den großen russischen Romanen des 19. Jahrhunderts gibt den Bezugspunkt ab für einen Film, dessen Anleihen allerdings viel breiter gestreut sind und auch Sergei Prokofievs populäre Suite aus Aleksandr Faintsimmers wenig bedeutsamen "Poruchik Kizhe" (1934) aufgreift. Die Handlung erinnert grundsätzlich an Lina Wertmüllers "Film d'amore e d'anarchia, ovvero stamattina alle 10 in via dei Fiori nella nota casa di tolleranza" (1973): auch dort ein revolutionärer Attentatsplan vor Liebesbeziehungshintergrund; auch dort ein gescheitertes Ergebnis, das dennoch den Tod nach sich ziehen wird. Es ist nur einer von zig anderen Vertretern des Autorenfilms, die Allens Komödie aufgreift: Ingmar Bergman, Sergei M. Eisenstein und Luis Buñuel wurden vielfach angeführt, wobei weniger Buñuel als vielmehr Carlos Saura mit "El Jardín de las delicias" (1970) das Vorbild für eine Traumsequenz abgibt. Diesen Bezug sollte man auch weiterhin bei Allen finden, der von "Annie Hall" (1977) bis "Stardust Memories" (1980) vor allem auch das Fellineske aufsog. Mit "Love and Death" weicht aber die Parodie der Oberflächenreize von Genres bei allem Humors einem bereits merklich zunehmenden Ernst, der die vereinnahmenden, emotional bindenden Aspekte betont, die Dramaturgie der Handlung stärkt, die großen Fragen und Ängste anspricht und einem Gefühl für Tragik mehr Raum gibt. Mit dem folgenden "Annie Hall", auf den dann Allens erstes reines Drama folgte, sollte dieser Reifeprozess dann vollständig abgeschlossen sein.
In der kostengünstigen Zweitausendeins Edition liegt "Love and Death" für kleines Geld auf DVD vor: Fassungseintrag von bodydouble1984
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