Review

Für den 1990 gedrehten zweiten Teil wählte man mit 1997 interessanterweise die nahe Zukunft als Zeitpunkt der Handlung aus, was auf gewisse Weise natürlich anspruchsvoller ist, als den Film in der Gegenwart (Kulissen orientieren sich an der Realität) oder der Zukunft (Kulissen können mehr oder minder frei erfunden werden) spielen zu lassen. Dieses Vabanquespiel ist mit der Darstellung eines bedrohlichen Großstadtdschungels mitten in Los Angeles, die fast schon als Antwort auf die chauvinistische Ausrichtung des Vorgängers betrachtet werden könnte, gelungen: Ausufernde Kriminalität und soziale Konflikte bestimmen diese Dystopie, in der sich nach und nach ein Duell zwischen einem engagierten, ruppigen Bullen auf Rachezug (verkörpert von Danny Glover) und einem Predatoren auf Trophäenjagd entwickelt, mit dem ich wesentlich mehr anfangen kann als mit der verachtenswerten Söldnertruppe des ersten Teils. Somit bietet auch „Predator 2“ also wieder genug Potential für eine spannende Geschichte, die nicht zwangsläufig an der Oberfläche bleiben muss. Allerdings verschenkt man reichlich Potenzial, indem man innerpolizeiliche Konflikte lediglich klischeebehaftet anreißt und die Atmosphäre durch die eine oder andere komödiantische Einlage aufzulockern versucht, was sich aber eher als störend erweist. Dem gegenüber stehen aber ein noch weiter verfeinertes „creature design“ sowie einwandfreie Effekte und technische Spielereien – wenn es auch, so glaube ich zumindest, weniger splatterig zugeht als in Teil 1. Vom Predatoren bekommt man aber mehr zu Gesicht und damit nicht genug, diesmal sogar sein Raumschiff und seine Kumpels… ganz zu schweigen von seiner intergalaktischen Trophäensammlung. Da wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und bereits der Spin-Off „Alien vs. Predator“ angedeutet. Das von vielen kritisierte Ende empfand ich jetzt gar nicht unbedingt als so sehr daneben, wenn auch wirklich nicht gerade als Ausgeburt der Logik.

Stephen Hopkins und sein Team haben einen sehr unterhaltsamen, rasanten Sci-Fi-/Horror-/Action-Crossover geschaffen, der zwar oberflächlich bleibt, aber mit einer imposanten Optik und weniger Idiotie als sein Vorgänger aufwartet. Und falls ich hiermit völlig daneben liege, liegt das wohl einfach an meiner Vorliebe für dreckige Großstädte aus filmischer Sicht der 80er bzw. frühen 90er.

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