Review
von Alex Kiensch
Die meisten Fortsetzungen, insbesondere im Horror-Genre, fallen durch Ideenlosigkeit und Wiederholung des Originalkonzepts auf. Im Falle von „Predator" ist das nur bedingt so: Zwar bleibt die Story relativ ähnlich - ein außerirdischer Killer, der Jagd auf menschliche Schädel als Trophäen macht, verwickelt einen ahnungslosen Kämpfer (diesmal Danny Glover als knallharter Cop in Los Angeles) in ein Duell auf Leben und Tod. Doch die Verlegung des Sujets vom südamerikanischen Dschungel in den Großstadtmoloch der US-Metropole sorgt von Anfang an für ein gehöriges Maß an neuartiger Spannung.
Ähnlich wie sein Vorgänger funktioniert auch „Predator 2" als origineller Genre-Mix: Auf der einen Seite knallharte Großstadt-Cop-Action voll heftiger Schießereien und düsteren Bildern einer chaotisch-gewalttätigen Metropole, auf der anderen Seite mit Horror-Elementen versetzte Monster-Survival-Action. Diese beiden Richtungen gehen gekonnt ineinander über, lassen Platz für wuchtige Actionsequenzen und herbe Gewaltexzesse und sorgen vom Start weg für düstere, packende Spannung, die bis zum ein wenig ausufernden, aber spektakulären Finale aufrecht erhalten bleibt.
Das alles geht freilich nicht ohne massenhaft typische 90er-Action-Klischees ab: der knallharte Cop, der sich einen Dreck um Vorschriften schert, sein cholerischer Vorgesetzter, der ihn regelmäßig zusammenstaucht, dazu Actionsequenzen, die nicht immer logisch oder gar realistisch funktionieren, und geradezu prototypische Settings, etwa ein überfülltes Polizeirevier, in dem Cops und Kriminelle chaotisch durcheinander brüllen. Das hohe Tempo sowohl im Schnitt als auch in der Handlungsentwicklung und den Dialogen sorgt dabei durchaus für anhaltende Aufmerksamkeit auch in den ruhigeren Passagen. Dazu kommt ein donnernder Soundtrack, erneut von Alan Silvestri, der es besonders zum Ende hin wieder etwas übertreibt, aber durchaus zur bedrückenden Atmosphäre des Films beiträgt - ähnlich wie die dunklen Bilder stinkender, verschmutzter Ghetto-Straßen und heruntergekommener Gebäude. Als sarkastischer Kommentar zur Ghettoisierung amerikanischer Großstädte hält „Predator 2" die eine oder andere überhöhte, aber krasse Szene parat.
Im Vergleich zum Vorgänger fällt die Gewalt ein kleines bisschen weniger direkt aus. Trotzdem bleibt auch dieser Film ein sehr brutales Werk, in dem reihenweise ahnungslose Opfer dem außerirdischen Killer als Übungsziel dienen. Die einzelnen Szenen wirken dabei besonders am Anfang etwas zusammenhanglos (wie sucht er sich seine Opfer aus, wie findet er sie, warum wählt er sie - alles Fragen, die unbeantwortet bleiben), erzeugen aber dank des aufwendigen Settings eine packende Stimmung mit typischem 90er-Flair. Und das lang gezogene finale Duell zwischen Glover und Predator gefällt mit knallharten Kämpfen, leicht irrsinnigen Hintergründen und netten Verweisen auf andere berühmte Filmreihen - man beachte in der Schädelsammlung des Predators den langen, gebogenen Alien-Schädel aus der gleichnamigen Filmreihe; ein Verweis, den die späteren Macher von „Alien vs. Predator" sicher dankend entdeckt hatten.
„Predator 2" sorgt mit knüppelharten Gewalt- und Actioneinlagen sowie einem weiterhin faszinierend-bedrohlichen Monster für kurzweilige Erwachsenen-Unterhaltung der besten Art und gehört definitiv zu den spannenderen 90er-Action-Krachern - trotz oder gerade wegen einer leichten Trash-Note. Für Genre-Fans auf jeden Fall eine kleine Perle!