Es gibt manchmal Filme, die würde man niemals im Leben sehen, da sie weder im Fernsehen laufen, noch große Popularität besitzen. Ein Paradebeispiel ist "Johnny zieht in den Krieg" von Regisseur Dalton Trumbo, der seinen eigenen Roman, der 1939 erschienen ist, 32 Jahre später verfilmte. Dies sollte auch sein einziger abendfüllender Film bleiben.
Obwohl dieser Antikriegsfilm nicht wirklich viel vom (Ersten) Weltkrieg zeigt - um genauzusein, knappe zwei Szenen - ist dieses Werk das eindringlichste und Schockierenste, was mir bei diesem Thema jemals über die Mattscheibe gelaufen ist.
Johnny (Timmothy Bottons) meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst, als er hört, dass die Vereinigten Staaten im Krieg eingreifen werden.
Nach dem Vorspann, in dem originale Videoaufnahmen mit einem stark rhythmusbetonten Militärmarsch unterlegt sind, sieht man den lebenslustigen Johnny mit seiner Freundin, die ihm davon abrät, in den Krieg zu ziehen. Nach diesem Einstieg kommt auch schon die erste Kriegsszene, bei der man erahnen kann, dass Johnny etwas schreckliches passiert ist.
Johnny wird in einer Besenkammer von Ärzten und Krankenschwestern versorgt. Er selber weiß noch nicht, was passiert ist. Die Realität versorgt uns mit schwarz/weiß Bildern, die andauernd unterbrochen wird von Johnnies Erinnerungen aus seiner Vergangenheit und surrealistisch anmutenden Traumsequenzen, in denen er die Antwort auf seine Fragen sucht.
Dies fordert den Zuschauer enorm, und es ist anfangs sicherlich schwer zu verstehen, aber mit zunehmender Laufzeit ergeben diese Rückblenden/Traumsequenzen immer mehr Sinn.
Es ist jedoch noch schwerer, das Inhaltliche zu beschreiben: Wir sehen Johnny auf einem Krankenbett. Sein Körper ist mit einer Bettdecke zugedeckt und auch sein Gesicht sieht man zu keiner Zeit, da es durch einen Verband verdeckt ist. Anfangs ist Johnny froh, dass er überlebt hat, aber mit der Zeit wird ihm eines klar: Er liegt auf dem Krankenbett nur mit seinem Torso - keine Arme und keine Beine mehr, und das Gesicht ist auch total zerfetzt. Sämtliche Sinnesorgane wie die Sprach-, Seh- oder Hörfähigkeit sind weg. Johnny ist lediglich noch bei vollem Bewusstsein, fühlt mit seiner Haut und kann nur den Kopf bewegen.
Das Kammerspiel der Ärzte, Schwestern und Generäle findet im Dialog parallel statt zu Johnny, dessen Sprecher nur seine Gedanken äußert (zu uns). Kommunikation, wenn man es denn so nennen mag, kommt später durch Hautkontakt einer der Krankenschwestern zustande, die Johnny auf die Brust "Merry Christmas" mit dem Finger draufstreichelt. Auch Johnny macht sich im späteren Verlauf mit seinem Kopfnicken durch Morsezeichen bemerkbar...
Zugegeben, der Film ist mit Sicherheit nichts für die Mainstreamzuschauer, dafür ist er zu "lahm". Es passiert nicht viel und es dürfte leicht fallen, den Film auszuschalten. Wer es dennoch packt, wird einen Film erleben, der einen noch Tage verfolgen wird. Ich habe selten so was verstörendes Trauriges erlebt.
10/10