Gleich zwei Filme beschäftigen sich, fünf Jahre nach dem 11. September, mit den Ereignissen um Flug 93.
Während sich Regisseur Peter Markle mit seiner gleichnamigen Fernsehproduktion stark auf das Umfeld der Passagiere konzentriert, setzt der Brite Paul Greengrass auf dokumentarischen Stil in Realzeit.
Es gibt keine hervorstechenden Charaktere, keine Helden, keine Identifikationsfiguren. Die wahre Begebenheit ist die Identifikation.
Greengrass pendelt zwischen den Schauplätzen, wie diversen Kommandozentralen, Flughafentower und natürlich dem Geschehen an Bord der United 93.
Zu Beginn verläuft das alles recht schleppend, fast langweilig.
Die Leute im Tower sind mit ihren Kontrollmonitoren beschäftigt und regeln alltägliche Abläufe, ebenso wie das Flughafenpersonal und die nicht näher vorgestellten Passagiere. Nur zwei der Attentäter sieht man ganz zu Beginn bei der Vorbereitung und ihrem Gebet.
Diese fast öde Alltäglichkeit, wirkt aber umso effektiver, wenn das Personal bei den immer bedrohlicher werdenden Ausmaßen vollkommen ins Straucheln gerät. Zunächst herrscht nur zurückhaltende Verwunderung („wir hatten lange keine Entführung mehr“) und gegen Ende pure Verzweiflung, da man mit Zuständigkeitsproblemen und Machtbefugnissen zu kämpfen hat.
Immer wieder vermittelt die wackelige Handkamera dichte Authentizität, die gegen Ende, wenn sich die todesmutigen Passagiere gegen die Entführer auflehnen, seinen dramaturgischen Höhepunkt erreicht. Eine wilde, fast planlose Attacke, die für Spannung sorgt, obgleich der Zuschauer das tragische Ende kennt. In diesen Momenten ist er stellvertretend einer der Passagiere, der handeln muss, weil er per Telefon erfahren hat, dass bereits das WTC und das Pentagon von Flugzeugen getroffen wurden.
Effekthascherisch ist das Szenario trotzdem nicht ausgefallen, vielmehr macht sich Verzweiflung breit und man bleibt mit offenem Mund regungslos sitzen, wenn die Kamera den immer näher kommenden Boden während des Sturzfluges im Focus hat.
Keine Explosion, nur ein schwarzes Bild. Angemessen.
Angemessen und sehr glaubhaft wirken auch die Darsteller, von denen man nie einen zuvor gesehen hat. Ganz so unbekannt sind die dazugehörigen deutschen Stimmen leider nicht und es hat mich ein wenig irritiert, einen Piloten mit der Stimme von Kevin Spacey zu erleben. Zudem konnte man sich offenbar nicht entscheiden, ob man einige Passagen übersetzt, im Original belässt oder sogar mit deutscher Stimme englisch sprechen lässt. Ein kleines Ärgernis am Rande.
Ansonsten überzeugt Greengrass Rekonstruktion der Ereignisse um Flug 93. Fast distanziert und erstaunlich sachlich schildert er die Begebenheiten, die den Zuschauer emotional aufwühlen, ohne mit Kitsch und Pathos bedrängt zu werden.
Schade ist nur, dass der Streifen keine weiteren Informationen liefert, die man nicht damals schon mitbekommen hat.
Im Direktvergleich zu Markles Fernsehfassung ist Greengrass sehr stilsicher, manchmal allerdings auch zu nüchtern und an einigen Stellen etwas lang gezogen.
Insgesamt aber ein respektables Zeitmonument und durchaus sehenswert.
7 von 10 Punkten