Review

Selbst Ron Howard soll ja mal einen richtig guten Film gedreht haben - für mich ist es immer noch dieser!
"Backdraft" selbst ist zwar ein berechnetes Klischee, aber eines, das bombig aussieht und das macht es hier mal aus.

Klar, die Story von den zerstrittenen Brüdern bei der Feuerwehr, der Daddy im Einsatz gestorben, der eine ein Draufgänger, der andere zögernd unentschlossen, dazwischen eine Frau, ein politischer Skandal und ein Brandstifter, der auf perfide Weise immer nur ein Opfer tötet - das alles sind Drama- oder noch schlimmer Soap-Opera-Zutaten der schlimmsten Sorte.
Die Brüderstory watet so schlimm in sülzigen Klischees, daß der Patriotismus für die Feuerwehrleute aus jedem Filmmeter trieft, das Ding dürfte nach dem 11.September dauerausgeliehen sein. Aber Howard inszeniert das mit Verve und nicht ohne Humor, immer schön wieder auf die Thrillerhandlung zurückkommend.

Die allerdings ist nicht ohne, obwohl die Zusammenhänge aufmerksamen Zuschauern schon schneller aufgehen dürften als den Protagonisten, auch wenn die Entdeckung des Täters eine leichte Überraschung sein sollte. Aber der Bruderzwist ist hier der Motor der Handlung und behindert das Fortkommen der Ermittlungen immer wieder.

Aber der Thrillerplot ist ja auch nicht alles: Howard ging es darum, die Arbeit der Feuerwehrleute hautnah zu zeigen, das Montröse des Feuers hervorzuheben, es zu einem lebendigen Wesen zu machen.
Was ihm auch meisterhaft gelungen ist.
Die Brandsequenzen sind emotionale und physische Action pur, heiß wie die Hölle und Adrenalin in Massen produzierend. So nah war man am Brandherd noch nie als Zuschauer dran und das hier entworfene Inferno könnte von Dante selbst stammen.
Der Brand einer Textilfabrik, eines Wohnhauses und der finale Großbrand gehören sicherlich zu den eindrucksvollsten Sequenzen überhaupt auf diesem Sektor und sind bisher nicht überboten worden.

Angetrieben von launig guten Schauspielerleistungen, allen voran Kurt Russell und ein wunderbar lakonischer Robert de Niro in einer Nebenrolle (nicht zu vergessen ein superber Donald Sutherland als einsitzender Brandstifter), kriegt der Film jedoch immer wieder die Kurve und den nötigen Drive, um spannende Unterhaltung zu produzieren, auch wenn zwischendurch die Springfield Story und der Denver-Clan um die Ecke lugen.
Die Feuerwehrleute müssen sich vermutlich sehr geehrt gefühlt haben und die Akteure haben sich wortwörtlich hier den Arsch abgefackelt, das kann ich honorieren. Mag es im TV nicht mehr so funktionieren, hat der Film im Kino so manchen weggerissen. Und als knackiges Drama konsumiere ich ihn immer wieder gerne weg. (8/10)

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