Review

Zum Geleit: Hierzulande grenzen sich Ultra-Gruppierungen, die mittlerweile in nahezu jedem Stadion jedes halbwegs größeren Clubs sofort ins Auge fallen, zumeist nach außen hin von Gewalt oder gar der Hooligan-Szene ab und beteuern, dass für sie die jederzeitige bestmögliche Unterstützung ihres Teams, Symbol ihrer Stadt und ihrer Meute, im Mittelpunkt steht. Das mag zwar häufig stimmen, doch tatsächlich sind die Übergänge leider oft fließend und im Fahrwasser der fanatischen Fans schwimmt so einiges Personal mit, dass auch einer handfesten Auseinandersetzung nicht abgeneigt ist bzw. diese zielsicher provoziert.

In Italien dagegen ist die Verbindung "Ultra" und Gewalt gar nicht erst von der Hand zu weisen und geht meist einher. Die verschiedenen Gruppierungen liefern sich bisweilen regelrechte Straßenschlachten mit der Polizei und gegnerischen Fans, nehmen durch vehemente Präsenz sogar Einfluss auf Entscheidungen der Clubführungen und prägen das Bild des Fussballs in Italien so sehr, dass die sonstige normale zahlende Kundschaft heutzutage immer häufiger gänzlich fern bleibt.

Nicht alle usprünglichen Ziele der Ultra-Bewegung sind per se zu kritisieren, beispielsweise sind die Erhaltung der Fankultur und die Verwehrung gegen immer weiter um sich greifende Kommerzialisierung des Sports zu begrüßen. Doch gleichzeitig missfallen viele Aspekte wie die meist straffe, fast militante Organisierung der Gruppen und leider bergen genannte Begleiterscheinungen sowie oft latenter oder auch offen zum Ausdruck gebrachter Rechtsradikalismus Gefahren, die diese ursprünglichen Ziele fast nichtig erscheinen lassen.

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"Ultra - Blutiger Sonntag"

Nachdem in den 80er Jahren die "Ultra"-Fankultur, also der Zusammenschluss gleichgesinnter fanatischer Fussballfans eines Vereins, ihren Höhepunkt erreicht hatte, widmete sich dieser gleichnamige Film darauf dem Thema und bebildert anhand der fiktiven, aber keineswegs unrealistischen Geschichte einer Clique von AS Rom-Fans die Zustände im Urspungsland dieser Bewegung.

Auswärtsspiele sind für alle der größte Nervenkitzel, so auch für die Ultra-Gruppe um Principe, der nach zwei Jahren Knast endlich wieder an vorderster Front mitmischen kann und es kaum erwarten kann, mit seinen Jungs wieder loszulegen. Doch es hat sich einiges verändert, sein Kumpel Red hat in der Zwischenzeit was mit seiner Freundin angefangen und plant obendrein mit ihr wegzuziehen und aus der ganzen Sache auszusteigen. Doch die Treue zum Verein ist groß und auch aus Gründen der Pespektivlosigkeit ist für die meisten das Planen der Aktionen, Entwerfen von Spruchbändern und Fahrten zu jedem Spiel noch immer Lebensinhalt und so macht man sich wieder gemeinsam auf, diesmal nach Turin.

Die Zugreise ist ein Trip in die gemeinsame Vergangenheit und einerseits Vorfreude auf die Zukunft, andererseits zwiespältige Auseinandersetzung mit dem eigenem Lebensinhalt. Das Hinterfragen ist jedoch alles andere als gern gesehen und das Aussteigen ist schwer. Spannungen in der Gruppe sind vorprogrammiert. Zusammenhalt ja, aber nicht um jeden Preis. Oder doch? Der Kodex scheint verschieden hoch im Kurs zu stehen und das ganze erfährt seine Peripetie im Aufeinandertreffen mit den verhassten "Juve"-Fans.

Der teils eindringliche, manchmal jedoch auch etwas nervende Score fällt nicht weiter ins Gesamtgewicht und dankenswerter Weise hat man in der deutschen Fassung weitestgehend darauf verzichtet, die Fangesänge zu synchronisieren. Die darstellerischen Leistungen gehen soweit in Ordnung und schaffen einen zufriedenstellenden Spagat zwischen einigermaßen realistischen Szene-Einblicken und glaubwürdigem Drama um Freundschaft, Treue und Zusammenhalt - aber auch Sinnfragen und Perspektivlosigkeit.
Leider sind keinerlei Stadion-Innenraumszenen zu bewundern, was einerseits den nicht ganz richtigen Eindruck verstärkt, dass dies nur Nebenschauplatz wäre, aber andererseits sicherlich schlicht und einfach auf ein nicht ganz so üppiges Budget zurückzuführen ist.

Fazit: Nicht unbedingt ein Kultstreifen und schon gar kein Meisterwerk, aber sowohl für Außenstehende als auch für halbwegs Szenekundige ein passables Drama vor dem Hintergrund der "Ultra"-Bewegung Italiens, welches selbige weder sonderlich kritisiert noch glorifiziert und um eine realistische Darstellung bemüht ist. (6/10)

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