Tierhorror lockte in den Siebzigern die Massen in die Kinos und so wurde William Girdlers Bärenhorror mit einem Budget von unter einer Million Dollar einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1976. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, denn so spannend wie der ein Jahr zuvor herausgekommene Haihorror von Spielberg ist "Grizzly" nicht in Ansätzen.
In einem Nationalpark in Nordamerika entdeckt Ranger Kelly (Christopher George) zwei verstümmelte Leichen und geht direkt von der Tat eines Grizzlybären aus. Da sich jedoch Parkdirektor Kittridge (Joe Dorsey) weigert den Park zu schließen, müssen sich Kelly und seine beiden Kollegen einen Plan überlegen, wie sie den Braunbären in eine Falle locken können...
Mit den Bildern aus einem Helikopter und den mahnenden Worten, den Nationalpark weitestgehend unberührt zu lassen, steigt die Erzählung ein und vertieft daraufhin glücklicherweise nicht irgendwelche Umweltkritiken, sondern konzentriert sich auf die Jagd nach dem Übeltäter, der mit seinen Tatzen auch schon mal Arme und Beine ausreißt und blutverschmierte Gesichter hinterlässt.
Leider kommen die Figurenzeichnungen nicht über oberflächliche Klischeezuweisungen hinaus, denn der Held stemmt sich gegen den ignoranten Boss, während die wenigen Damen entweder als Bärenfutter dienen oder angewiesen werden, direkt zuhause zu bleiben. Ein Bärenforscher zeigt am Ende zuviel Verständnis, während ein Vietnamveteran nicht imstande ist, ein Gewehr ordentlich nachzuladen, nur der Bär behält die Übersicht und trickst die Jäger sogar mit falschen Fährten aus.
Zunächst sind lediglich die Pranken zu sehen, später kommen indes zwei echte Bären zum Einsatz, welche durchaus imposant zu beobachten sind und zudem augenscheinlich gut trainiert wurden. Während der Attacken konnte man natürlich nicht auf echte Tiere zurückgreifen, so dass ein mehr schlecht als recht angefertigtes Fellkostüm herhalten musste.
Leider wird die Egosicht des Grizzlys ein wenig überstrapaziert, da sie einerseits ein wenig willkürlich anmutet und zum anderen jedesmal Minuten vor dem eigentlichen Angriff vorweg nimmt, wer als nächstes dran glauben dürfte.
Insofern kommt auch selten Spannung auf, da zu wenig mit der Bedrohung gespielt wird und die Kulisse des Waldes nie effektiv genutzt wird, um ein Anpirschen mitreißend zu gestalten.
Erst beim Showdown gelingt es Girdler, Bär und Gegner recht nah beieinander einzufangen und einige Szenen so zu schneiden, dass es zumindest so aussieht.
Einen kleinen Sympathiebonus gibt es bei diesem leicht trashig angehauchten Werk allerdings, denn zuweilen klingt der Score arg nach "Lassie", einige Mimen treten reichlich unbeholfen und ergo kaum überzeugend auf und auch so mancher Versuch, das Treiben durch kleine Gags aufzulockern, geht gründlich daneben.
Eingefleischte Tierhorrorfans dürften das Werk ohnehin aus dem Kindes - oder Jugendalter kennen, neue Fans dürfte der Streifen aufgrund seiner kompletten Vorhersehbarkeit und ausbleibender Spannung allerdings kaum gewinnen.
6 von 10