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Nach 7-jähriger Pause inszenierte George A. Romero 2000 mit „Bruiser“ wieder einen größeren Film. Leider erreicht dieser – trotz origineller Ausgangsidee und metaphorischen Symbolen – nie die Klasse von den Filmen seiner Zombie-Trilogie. Zu glatt, dialoglastig und substanzlos wirkt sein Film – wie ein nicht zu Ende gedachter Entwurf.

Zur Story: Biedermann Henry toleriert, dass seine Frau ihn mit seinem Chef und sein Freund mit seinem Geld betrügt. Von einem Tag auf dem anderen tritt anstelle seines Gesichts eine konturlose Maske und Henry beginnt sich zu rächen…

Die originelle Ausgangsidee mit der Maske als Metapher (oder wie Romero sagen würde: Allegorie) auf Henrys Charakterlosigkeit – er wird auch von seiner Freundin als „Niemand“ bezeichnet – ist zweifelsohne genial. Der Identitätsverlust geht mit gesteigerter Aggression und Rachedurst einher, da ein „Niemand“ schließlich keine Persönlichkeit besitzt und somit nicht greifbar zu sein scheint. Der Anfang des Films scheint im Übrigen eine Hommage an oder das Gegenstück zu „American Psycho“ darzustellen, da auch hier der Protagonist bei seiner regelrecht zelebrierten Körperhygiene gezeigt wird, einem hoch dotierten Job und oberflächlichen Leben nachgeht sowie zahlreichen blutige Tagträumen erliegt. Die Charaktere von Henry und Patrick Bateman könnten dennoch nicht verschiedener sein: während Henry zu gut(gläubig) für diese Welt ist, gibt letzterer den ausgekochten und coolen Yuppie.

Leider sind diese beiden Punkte neben einem passablen Spannungsbogen auch schon die Highlights des Films. Denn nach Henrys „Verwandlung“ sowie dem Beginn seines Rachemarathons nach etwa einer Dreiviertelstunde baut „Bruiser“ kontinuierlich ab. Die bis dahin fesselnde und besonders psychologisch hoch interessante Story kommt zum Erliegen. Sie verliert sich in zu vielen – durch überflüssige Dialoge bedingte – Längen und wirkt zuweilen zweitklassig. Romero, der auch das Drehbuch schrieb, legte seinen Film ab hier zu reißerisch und selbstverliebt an, ohne weiter durch psychologische Klasse überzeugen zu können. Die Optik ist indes immer äußerst gelungen und erzeugt gar bei dem Finale (mit einem Auftritt der Rockband „Misfits“) eine beklemmend-düstere Atmosphäre.
Die Darsteller sind Durchschnitt, einzig Peter Stormare („Fargo“) als Henrys notgeiler Macho-Chef und Tom Atkins („Halloween 3“) als Ermittler ragen positiv heraus. Jason Flemyng („From Hell“) als Henry gelingt es indes kaum, echte Akzente zu setzen.

Fazit: Enttäuschend. Nach sehr gutem Auftakt verliert sich die originell-metaphorische Ausgangsidee in einer konventionell-reißerischen Horrorfilm-Inszenierung mit unausgegorener Spannungskurve und ausgefeilter Optik. Einer von Romeros schwächeren Filmen.

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