Der neue Romero ist da!
Der Neue?
Wohl kaum, denn was uns da in den Videotheken als brandaktuell vom Meister persönlich verkauft wird, ist tatsächlich schon im Jahr 2000 produziert, schön unabhängig bei Studio Canal. Trotzdem, Romero ist sicherlich einen Blick wert, auch wenn es mal wieder um einen gesichtslosen Killer geht, der sich an allen seinen Peinigern rächt, was ja auch nicht gerade neu ist.
Trotzdem kommt aus der Low-Budget-Produktion ein genießbarer Streifen heraus, was vor allem daran liegt, daß Romero das halb als Satire anlegt. Hier geht es um einen Managertyp kleineren Zuschnitts, der sich mit seiner Lebensanlage leicht vertan hat: Die Frau ist eine geldgeile Schlampe, das für sie gebaute Haus zu groß, zu teuer und zu unfertig, der Chef ein durchgeknallter Maniker, der Kumpel manipuliert das Aktiendepot, ihn selbst weiß keiner zu schätzen, er kann froh sein, wenn man sich an seinen Namen erinnert.
Das macht schon Spaß, denn Romero inszeniert so gediegen, daß das Verachtenswerte der Hauptfigur nicht beim Zuschauer Ablehnung verursacht. Zwischendurch ein paar mordlüsterne Visionen, dabei ist die Realität viel schlimmer.
Eine halbe Stunde im Film wacht unser Held Henry Creedlow dann morgentlich nach der größten Demütigung auf und anstelle des Gesichts ist eine weiße Maske getreten, ohne markante Züge, ohne Wiedererkennenswert. Die Metapher kommt zwar mit dem Holzhammer, aber von nun fühlt sich Henry befreit und kommt all den Schlimmfingern auf die Spur und läßt sie dran glauben. Als erstes die diebische Putzfrau, dann das ungetreue Eheweib und so weiter...
Leider kommt der Film dann nicht so recht weiter, denn die Befreiung und Bestimmungsfindung von Henry wird ihm zwar das Gesicht wiedergeben, bis dahin stretcht sich der Film jedoch über viele Redereien auch philosophischer Natur, vor allem in Gesprächen mit der Ex-Frau seines Chefs, die ihn als einzige zu schätzen weiß. Ohne Füllmaterial kommt Romero bei dem dünnen Plot nicht aus und so muß Peter Storemare als Chef dermaßen auf die Kacke hauen, daß es schon kindisch ist, ein sexgeiler, schwachsinn faselnder Prolet, damit Farbe in den Film kommt.
Zwischendurch kämpft sich Tom Atkins als Polizist durch die zahlreichen Hinweise, bis dann der Showdown vor der Tür steht, der aber auch keine wirklichen Höhepunkte aufweist, dafür die Handlung aber zielgerichtet auf den Punkt bringt. "Bruiser" kann zwar mit einem netten Schlußgag aufwarten, ist aber sonst wenig spektakulär, obwohl zahlreiche Morde geschehen. Die sind für die Videothekenfassung vermutlich schon arg geschnitten worden, so daß man hier auch nicht in Blut und Gedärm waten kann. Stattdessen muß man die parodistischen Züge genießen, doch Genrefreaks werden wohl hauptsächlich Langeweile ausmachen.
Allerdings werden die Verleihtresen mit soviel Billigschrott versehen, daß man diesen sorgfältigen Film darüber schon fast wieder bewundern muß. Trotzdem hat mir der Start ohne Mord und Masken besser gefallen, danach kommt es zum Qualitätsabfall, weil visuell kaum noch Leistungen erbracht werden. Aber es gibt Schlimmeres, Mr.Romero, dumme Filme zum Beispiel. (5/10)