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Die Kunst des Abzockens. Einen Trottel abzuzocken, ist keine Kunst, das kann ein jeder. Aber einen cleveren Typen abzuzocken, der hellwach ist & damit rechnet, abgezockt zu werden, das... ja, das ist Kunst. Große Kunst. Cole Langley (J.T. Walsh) beherrscht(e) diese Kunst ("Er war so gut, er konnte seine Suppe mit dem Korkenzieher löffeln"), aber der sitzt jetzt in der Klapse.

Roy Dillon (John Cusack) hingegen beherrscht sie nicht, der scheitert auch schon mal an einem Barkeeper & bekommt von ihm einen Schlag in den Magen verpasst, dass er fast krepiert. Seine Mama Lilly (Anjelica Huston) manipuliert schon seit Jahren Pferdewetten für den Mafioso Bobo (Pat Hingle), seine Freundin Myra (Annette Bening) hat mit Cole zusammengearbeitet & hätte wieder mal Lust auf ein großes Ding.

An Jim Thompsons Buchvorlage habe ihn gereizt, dass hier Schundliteratur & griechische Tragödie aufeinandertreffen, meinte Regisseur Stephen Frears. Und diesen Aspekt hat er großartig auf die Leinwand übertragen, gewürzt mit schwarzem Humor, etwas Ironie & einer guten Dosis Zynismus. Die von Martin Scorsese produzierte Gangster-Ballade hat was tarantinoeskes an sich, Jahre bevor es diesen Begriff überhaupt gegeben hat.

Der mit einem Split-Screen-Intro veredelte Streifen hat einen angenehmen, fast schon entspannten Fluss, ist schick fotografiert & elegant inszeniert. Durch die Interaktion der drei (toll gespielten) Protagonisten bekommt man bald ein Gespür dafür, wie sie ticken, für ihre Stärken, aber vor allem für ihre Schwächen (Eifersucht, Hass, Gier). Cool, sexy, verschlagen, abgründig, brutal, lässig, tragisch, schön & unschön, bisweilen auch hässlich. Eine ganz starke Nummer.

8,5/10

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