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Distopien über totalitäre Staaten gab es in Literatur und Film viele, doch „Rollerball“ gehört zu den ersten Vertretern, die einen solchen Plot mit knallharter Action koppelten.
Bei dem titelgebenden Spiel handelt es sich um einen brutalen Mix aus Hockey, Motocross und Rollschuhfahren, bei dem die Spieler durch eine Arena fahren und dabei versuchen einen Metallball ins gegnerische Loch zu schleudern. Es gibt zwar Fouls, jedoch die Auslegung großzügig, sodass es genug Gewalt zu sehen gibt. Nicht umsonst zieht „Rollerball“ immer wieder Vergleiche zu den Gladiatorenspielen des alten Roms, die sich auch durch reichlich Blut auszeichneten.
Helden des brutalen Volkssports ist Jonathan E. (James Caan), seit Jahren der beste Spieler der Topliga. Den Mangel an Individualität macht „Rollerball“ dabei schnell klar, mit dem E ist Jonathan der einzige, der noch annähernd so was wie einen Nachnamen hat, der Rest muss mit einem einzigen Rufnamen auskommen und sich in die gesellschaftliche Struktur einfügen. Aufgrund seiner Popularität ist Jonathan auch langsam ein Dorn im Auge des Systems, das Individualität nicht duldet.

Die Rollerball-Organisatoren fordern ihren Star auf zurücktreten – was Jonathan aber nicht möchte. Da beginnen die Hintermänner ihm auf jede nur erdenkliche Weise zuzusetzen, auch beim Brutalosport selbst...
„Rollerball“ gilt als ein früher Actionklassiker, von John McTiernan 2002 ein krawallbetonteres Remake dreht. Die 1975er Version ist da vergleichsweise zurückhaltend, nur dreimal geht es in die Arena, einmal zu Beginn, in der Mitte und dann als Showdown wieder. Wenn jedoch der Anpfiff geht, dann bietet „Rollerball“ wirklich derbe Action, die zum einen für damalige Verhältnisse wirklich recht spektakulär ist, zum anderen aber trotzdem die Rohheit des Ganzen zeigt, die vom Publikum im Stadion dann noch frenetisch gefeiert wird.
Gleichwohl sollte man das gesellschaftskritische Potential von „Rollerball“ nicht zu arg überbewerten. Wieso viele medienkritische Actionfilme kann auch er sich nicht ganz dem Paradoxon entziehen auf der einen Seite mit derben Schauwerten punkten zu wollen, zum anderen die Blutgeilheit des Publikums anzuprangen – wenngleich „Rollerball“ die Sache recht ordentlich löst, wie vor allem das Finale zeigt. Definitiv besser gelungen ist die Kritik am System in einer Zukunft, in der nicht mehr Regierungen, sondern Konzerne herrschen, die Rollerball als Mittel der Volkslenkung nutzen. Selbst die Ehefrau bekommt Jonathan in diesem System nur zeitweise gestellt, solange es den Machthabern genügt. So ist seine Rebellion, die immer weitere Kreise zieht, neben Hass auf das System auch auf Liebe zu seiner Ex-Frau, die ihm ein Konzernchef nahm, begründet.

Das Ganze bettet „Rollerball“ in eine schnörkellose Narration ein, die straight von A nach B verläuft. Allenfalls die Frage, wer auf der Strecke bleibt, bleibt offen, ansonsten versucht sich „Rollerball“ gar nicht an allzu komplexen Geschichten. Doch Norman Jewison erzählt seinen Film angemessen geradlinig und zeigt auf eingängige Weise, wie sich der Konflikt langsam hochschaukelt – im letzten Spiel schaffen die Macher kurzerhand quasi alle Regeln ab, um aus dem Teamsport eine reine Gewaltorgie zu machen und Jonathan dabei zu beseitigen.
James Caan spielt dann seine Heldenrolle gewohnt routiniert, vielleicht nicht absolut herausragend, jedoch ziemlich überzeugend. Vor allem überzeugend genug, um den Film auf seinen Schultern zu tragen. Denn „Rollerball“ ist sehr auf seine Hauptfigur zugeschnitten, da wirkt der Supportcast, u.a. Maud Adams und Moses Gunn, leicht sekundär, wenngleich auch die Nebendarsteller allesamt überzeugen.

Alles in allem funktioniert der Mix aus Gesellschaftskritik und Action bei „Rollerball“ wirklich gut. Großartige Plottwists darf man nicht erwarten, doch Jewisons Werk ist schnörkellos, konsequent und durchaus intelligent - trotz kleinerer Längen und der wenig wendungsreichen Story.

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