„Rollerball“ reiht sich nahtlos in die düsteren Utopien wie „Soylent Green“ und „Omega- Man“ ein, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht bedrohlich wirkt. Regisseur Norman Jewison ließ eine Welt entstehen, in der es keine Nationen mehr gibt. Großkonzerne beherrschen die Erde. Sie versorgen die Bevölkerungen mit allem was diese brauchen. Kriege, Armut und Hungersnöte gibt es nicht mehr. Als Aggressionsventil für die Massen haben die mächtigen Firmenbosse den ultrabrutalen Sport „Rollerball“ geschaffen, eine Mischung aus Hockey und Football, in dem sogar Motorräder zum Einsatz kommen. Jonathan Eve, klasse gespielt von James Caan, ist der absolute Champion im Rollerball und mit seiner Mannschaft aus Houston auf dem besten Wege zur erneuten Weltmeisterschaft. Doch der Starkult um ihn ist den „Corporations“ ein Dorn im Auge. „Kein Spieler ist wichtiger als das Spiel selbst“, wie das Management nachdrücklich betont. Jonathan soll zurücktreten, doch dieser weigert sich, zunächst halbherzig, dann immer selbstbewusster. Daraufhin werden die Regeln verschärft. Die Rollerball- Matches verkommen zu Massenprügeleien mit zahlreichen Toten. Jonathan soll sterben, und zwar auf dem Spielfeld, wenn es sein muss...
Jewisons Film besticht vor allem durch seine rasanten Actionsequenzen, die zum Großteil auf dem Münchener Olympia- Gelände gedreht wurden. Das Spielgeschehen wurde so gekonnt, spannend und durchdacht in Szene gesetzt, dass der Zuschauer glaubt, den Rollerball- Sport habe es wirklich gegeben. Und wenn man die tobenden, fanatischen Massen hinter den Absperrungen der Arena beobachtet, wird klar, dass das Spiel einem bestimmten Zweck dient. Die Aggression und Wut der breiten Massen wird sozusagen in geordnete Bahnen gelenkt. Wie nötig das ist, um die Herrschaft der Corporations dauerhaft zu sichern, verdeutlicht die lange Partysequenz im zweiten Drittel des Films. Im Vollrausch torkeln einige Gäste ins Freie und ballern mit einer futuristischen Pistole auf Bäume. Einer nach dem anderen wird in Brand gesteckt, zufrieden sind die hohen Herrschaften erst, als die ganze Baumreihe in Flammen steht. Die vor Zerstörungswut und –lust verzerrten Gesichter haben mir persönlich kalte Schauer über den Rücken gejagt. Rollerball dient zur Ablenkung, um von der permanenten Bevormundung durch die Großkonzerne abzulenken. Die alleinige Entscheidungsgewalt liegt bei der „Exekutive“, die ihren Untertanen selbst die Ehepartner zuweist. Dabei bekommt man die eigentlichen Machthaber dieser staatsähnlichen Gebilde nie wirklich zu Gesicht.. Selbst Bartholemew, der Wortführer der Corporation, ist selbst nur eine Marionette und erhält seine Befehle von anderen, die im Verborgenen bleiben.
Ähnlich wie in George Orwells „1984“ liegt die Kontrolle über die Medien allein bei der herrschenden Klasse. Zeitungen existieren nicht mehr, Bücher wurden zusammengefasst und „klassifiziert“. Riesige Computerzentren verwalten die Informationen und entscheiden, wer Zugang erhält. Jonathans Versuch, in einem solchem Zentrum etwas über die Entscheidungen der Konzerne zu erfahren, endet im Fiasko. Von einem Computer, der mal eben das 13. Jahrhundert aus seinem Speicher gelöscht hat, wie Jonathan von einem kauzigen Wissenschaftler erfährt hat er keine Antworten zu erwarten. Trotzdem ist dies eine der wenigen Szenen, in denen so etwas wie Humor aufflammt. Ansonsten wird „Rollerball“ von einem todernsten Grundton getragen, und bei genauerem Hinsehen gibt es in dieser schönen neuen Welt auch nichts zu lachen. Zwar schwelgen die Menschen in Wohlstand und Luxus, bezahlen aber dafür mit Unwissenheit und Fremdbestimmung. Individualität ist nicht mehr gefragt, niemand soll aus der Masse herausragen.
Genau das tut Jonathan aber. Nach und nach begreift er den Mechanismus der Welt, in der er lebt, und lehnt sich dagegen auf, trotzt dem Druck durch die Konzerne und den verschärften Spielregeln. Auch nach dem Tod seines engsten Freundes auf dem Spielfeld spielt Jonathan weiter. Danach kann nicht mal der Besuch seiner Ex- Frau Ella (Maud Adams) ihn von seinem Vorhaben abbringen, die er einst hergeben musste, weil ein Konzernboss sie haben wollte. Im Meisterschaftsfinale stellt sich die Frage, ob Jonathan das „Rollerball“ überlebt- oder umgekehrt. Jewison hat dies in einer der packendsten Schlusssequenzen der Filmgeschichte kongenial umgesetzt.
Alles in allem ein herausragender, atmosphärisch stimmiger Klassiker des Zukunftsfilms mit perfekt choreographierten Actionszenen, vielschichtiger Handlung und einem tollen Hauptdarsteller. Rundum gelungen.