Basierend auf der Kurzgeschichte „Roller Ball Murder“ von William Harrison wird in dieser Zukunftsvision die Welt von ein paar Konzernen beherrscht, die durch ihre Monopolstellungen bezüglich Wirtschaft, Energie, Ernährung etc. den Ton angeben. Um die Masse bei Laune zu halten gibt es Rollerball, eine brutale Sportart, bei der es regelmäßig Verletzte und Tote gibt. In einer runden Arena ausgetragen und eine Mischung aus diversen Sportarten ist dies quasi das Brot und Spiele der Zeitepoche. Star dieser Massenunterhaltung ist Jonathan E., dem von einem Konzernmitglied der Rücktritt nahegelegt wird. Doch Jonathan denkt gar nicht daran und beginnt mit Nachforschungen.
Ein klassischer Ausgangspunkt für eine zünftige Dystopie. Ermittlungen, der Blick hinter die Kulissen, das Aufdecken von Machenschaften. Eingerahmt in einen Gladiatorensport auf Rollschuhen und allerlei Ruppigkeit.
Leider bleibt die Ausgestaltung der Welt neben dem titelgebenden Sport und somit auch das vermeintliche Dahinter in diesem von Norman Jewison inszenierten Streifen zu wenig auserzählt. Immer wieder lässt das Skript mal fallen, dass der Sport einem gesellschaftlichen Zweck dient und es macht aus der Abberufung des Stars eine beschwörende Sache. Aber zahlt die Erzählung nie auf dieses Dräuen ein, Worte verpuffen ins unbebilderte Drumherum. Denn wird auch hie und da mal über das vorherrschende System gesprochen wird, man bekommt davon quasi nichts zu sehen.
Wie die Gesellschaft, (Konzern-)Politik, der Alltag etc. funktioniert, das sparen die Bilder aus. Kurzer Anriss zum Thema „Wohlstand vs. Freiheit“ und eine Episode über einen zentralen Wissensspeicher wird wenig ausgespielt, verkommt schon fast zur Farce. Da waren Genrekollegen wie „Soylent Green“ (1973) greifbarer.
Was man zu sehen oder erzählt bekommt, fängt das nicht auf. Zumindest nicht, um die hier vorliegenden 120 Minuten spannend aufzufüllen. Erzählerisch bleibt es dünn, obwohl sich das Skript immer wieder bemüht, auch Jonathans persönliche Ebene einzuflechten. Dennoch läuft „Rollerball“ hier auch emotional oft mit angezogener Handbremse. Was vielleicht auch an James Caans wenig Charisma versprühendem Spiel liegt oder (auch) daran, dass sein Jonathan einfach nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein scheint.
Besser funktionieren da die Rollerball-Sequenzen, die sich um Rasanz und Schauwerte bemühen. Diese Abschnitte sind auch auffallend lang geraten, Jewison verwendet einen nicht allzu geringen Teil auf die Inszenierung dieser Wettkämpfe. Die Verrohung der Gesellschaft, die dem mitunter tödlichen Treiben zujubelt, war laut ihm eine Motivation für die Umsetzung der Vorlage. Dies gelingt, wenn auch manchmal vor merkwürdig leeren Rängen.
Gedreht wurde überwiegend in München und so bekommt man nicht nur Gebäude von BMW und den Olympiapark zu sehen, die Roulette-artige Arena befand sich in der Rudi-Sedlmayer-Halle. Alles heute ungefähr so futuristisch wie die Mode, die immer noch breite Kragen und Schlaghosen beinhaltet. Ach ja, damals, die Zukunft.
Mit vielen Zutaten für eine gelungene Dystopie ausgestattet findet sich in „Rollerball“ zu wenig an Gesellschaft und Mechanismus, um den Hintergrund zu befüllen. Falls die Auswirkungen fehlender Selbstbestimmung bebildert werden sollten, so kratzt auch hier der Film nur sanft an der Oberfläche. So bleiben die ansehnlichen Sportsequenzen und ein semi-spannender Plot um den etwas schnarchigen Star dieser Zukunftsvision. In seiner Laufzeit überdimensioniert steckt in Jewisons Umsetzung zwar ein brauchbarer Genrevertreter, der aber Potential liegen lässt. Dennoch einen Blick wert.