Nagisa Oshima schuf 1976 den berühmt-berüchtigten "Erotik"-Film "Im Reich der Sinne" und sorgte für einen handfesten Skandal: die explizite Darstellung von (meist Oral-) Sex-Szenen und krassen Splatters ließen die Sittenwächter aufschreien. Heute, knapp 30 Jahre später, gibt es in jedem 10. Film krassere Verstöße (zuletzt "Saw") und die Gesellschaft scheint etwas abgestumpft zu sein. dennoch hat "Im Reich der Sinne" nur wenig von seiner schockierenden und verstörenden Wirkung verloren.
Die 1936 wirklich passierte Story, worauf der Film basiert: ein Liebespaar versteigert sich so sehr in die eigene Lust, dass der Mann schließlich einer Strangulation und deren Folgen erliegt. Daraufhin schneidet ihm die Frau sein Geschlechtsteil ab, um es für immer zu behalten.
Den Film könnte man als "Romeo und Julia extrem" bezeichnen. Klug und ernsthaft schildert der Film, welche Auswirkungen hemmungslose Begierde, abgöttische Liebe, Obsession und Verlustangst auf eine Mann-Frau-Beziehung haben kann. Dabei gestaltet sich der Film etwas eintönig: die permanente Darstellung des (eher erotischen als pornösen) Geschlechtsakts wirkt anfangs stimulierend und später nur noch gähnend langweilig. So wird der Zuschauer abgestumpft. Der Film fragt, wo sexuelle Perversion anfängt und die (hier körperliche als auch geistige) Liebe aufhört bzw. selbige zulässt. Das Ende íst sowohl verstörend, blutig als auch verständlich geraten.
Der große Pluspunkt von "Im Reich der Sinne" ist die Ernsthaftigkeit und Intensität, mit der er sich des Themas sexuelle und geistige Obsession annimmt. Dies ist aber gleichzeitig sein Problem: die Intensität wirkt auf Dauer ermüdend. Absolut kein Porno (auch wenn explizite Sex-Darstellungen vorhanden sind), sondern eine nachdenklich stimmende und verstörende Studie einer zerstörerischen und tödlich endenden Liebe.