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Kichizo Ishida spielt den Besitzer eines Geisha-Hauses, der sich in eine Dienerin und Prostituierte, gespielt von Eiko Matsuda, verliebt. Die beiden beginnen eine Beziehung, die im Grunde einzig und allein auf Sex fußt und so verbringen sie kaum eine Minute miteinander, in der sie es nicht treiben. Da Lust und Ekstase auf Dauer nur noch durch Schmerz erreicht werden, nimmt es mit den beiden kein gutes Ende.

Aus Angst vor der japanischen Zensur in Frankreich fertig gestellt, in Deutschland zunächst als Pornografie beschlagnahmt und bis heute umstritten, hat sich "Im Reich der Sinne" zumindest einen großen Namen gemacht, sogar das Prädikat "Besonders wertvoll" erhalten, während manche Kritiker ihn immer noch als überflüssige Perversion abtun. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Zunächst einmal: "Im Reich der Sinne" ist nicht nur einfach das, was man als erotisch oder ästhetisch bezeichnet, sondern vielmehr drastisch, explizit, kurzum: pornografisch. Mit aller Selbstverständlichkeit und Konsequenz, die ansonsten kaum ein Regisseur an den Tag legt, wird der Geschlechtsverkehr der beiden Protagonisten, der etwa den halben Film füllt, mehr oder weniger zelebriert, wobei er vor allem zum Ende hin regelrecht widerwärtige Züge annimmt, gegen die Lars von Triers "Antichrist" mitunter wie ein Kinderfilm wirkt. Dabei gelingt es Regisseur Oshima Nagisa aber auch, tatsächlich ästhetische und erotische Bilder einzufangen, die sich mit der Zeit jedoch erschöpfen, da es quantitativ wirklich wie im Porno zugeht.

Viel interessanter ist aber sowieso die eigentliche Idee. Die Entwicklung der Protagonistin: Anfangs wirkt sie eher etwas zurückhaltend, ist in der Gegenwart ihres Liebhabers, der nominell immer noch ihr Chef ist, etwas gehemmt, befindet sich mit diesem jedoch schnell auf einer Stufe. Dann wird sie immer dominanter, würgt ihn, während sie es treiben, verlangt von ihm, nicht mehr mit seiner Frau zu schlafen, droht, ihm seinen Penis abzuschneiden, wenn er es tut. Dieser verhält sich dabei passiv, liegt seiner Geliebten mehr oder weniger zu Füßen. Das einzige, was die beiden zusammenhält, ist der Sex, den sie immer und überall praktizieren.

Doch letztlich haben der Sex und die Sucht danach, der beide verfallen, eine zerstörerische Kraft, die konsequent zu Ende gedacht und geführt wird. Das Ende ist schockierend, widerwärtig, abstoßend, aber –und man kann einfach nicht müde werden, dies zu betonen- durchaus konsequent und lässt letztlich den Schluss zu, dass es sich bei der Sexualität um eine vernichtende Kraft handelt, an der die Protagonisten schließlich untergehen. Das Ganze soll im Übrigen auf einer wahren Begebenheit basieren, was aber im Grunde nicht weiter interessant ist. Viel interessanter sind die Thesen, die ohne moralischen Zeigefinger, sondern unkommentiert, meist über Bilder, vermittelt werden.

Wirklich unterhaltsam ist der Film, der weit jenseits des Gewohnten, des Konventionellen liegt, dann aber auch nicht, weil er langsam erzählt ist und die andauernde Vögelei dann auch nicht wirklich spannend ist, sich zudem recht schnell erschöpft. Dennoch ist der durchweg konsequente und durchaus innovative Film empfehlenswert, zumal die beiden Hauptdarsteller durchaus glaubhaft agieren und bei den zahlreichen Sexdarstellungen Mut beweisen.

Fazit:
"Im Reich der Sinne" ist ein freizügiger, pornografisch angehauchter, mitunter perverser Film, aber auch ein innovativer, unkonventioneller, unkalkulierbarer und so oder so ein intensives Filmerlebnis. Daher durchaus empfehlenswert.

62%

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