Nach dem Erfolg von „Bloodsport“ boomten Turnierfilme und aus dem Hause Cannon, das schon für „Bloodsport“ verantwortlich war, kam mit „American Kickboxer“ leider ein ziemlicher Bauchklatscher der Folgezeit.
Kickboxerweltmeister BJ Quinn (John Barett) altert langsam und beim Titelkampf gegen den jüngeren Herausforderer Chad Hunter (Keith Vitali) werden negative Stimmen laut, als er seinen Opponenten verletzt und der Kampf vorzeitig abgebrochen wird. Mit Jacques Denard (Brad Morris) steht schon der nächste Anwärter auf der Matte, denn alle Anwärter auf den Weltmeistertitel kommen hier alle aus der gleichen Gegend und hüpfen auch stets auf den gleichen Partys rum, damit Zoff vorprogrammiert ist. Mit Glaubwürdigkeit hat das natürlich nichts zu tun.
Als es auf einer Party zum Streit zwischen BJ und Denard kommt, verursacht BJ versehentlich den Tod eines Bekannten und wandert für 10 Monate in den Knast. Währenddessen holt sich Denard den Titel. Doch BJ will sich aufrappeln…
Soweit also die Ausgangssituation von „American Kickboxer“, doch irgendwie hat man ganz vergessen, daraus noch eine Story zu stricken. Am Schluss muss es zur Entscheidung zwischen BJ und Denard kommen, obwohl ersterer wegen der Tat für Meisterschaftskämpfe gesperrt ist, doch der Weg dahin ist nur konfus. Mal trainiert BJ Chad, mal spielt ein vorlauter Sportreporter alle Parteien gegeneinander aus und dann wieder will BJ dem fiesen Schmierlappen höchst selbst auf die Fresse hauen. Kontinuität ist jedoch innerhalb des unentschlossenen Gehampels nicht zu erkennen, sodass Spannung und Kurzweil hier bald Fremdwörter werden.
Eine Art roten Faden hat „American Kickboxer“ jedoch: BJ muss erstmal erkennen, was für ein furchtbarer Schnösel er ist. Leider dauert das ziemlich lange und wenn der Protagonist eines Films andauernd mit Rumzicken und aggressivem Verhalten nervt, dann baut man null Sympathien zu ihm auf. Zudem erfährt man über die Hauptcharaktere ungefähr soviel wie über jede namenlose Nebenfigur in „Bloodsport“, sodass das Treiben noch uninteressanter wird, als es an sich eh schon ist.
Doch in der Hauptsache geht es hier ja um Action – und auch da enttäuscht „American Kickboxer“ meistens. Es gibt zwar halbwegs regelmäßig auf die Moppe, doch viele der Fights sind etwas kurz. Hauptproblem ist jedoch die Tatsache, dass sich die Choreographien teilweise arg wiederholen und die Kontrahenten scheinbar nur wenige Kicks und Schläge gelernt haben. Außerdem verfügt „American Kickboxer“ nicht über die obligatorische Trainingsszene, sondern gleich drei oder vier davon, um das dürftige Drehbuch noch auf Spielfilmlänge zu strecken.
John Barett und Keith Vitali verschwanden beide schnell in der Versenkung und das ist auch kein Wunder: Beide haben kaum Schauspieltalent (auch für B-Verhältnisse nicht) und leider auch kaum Charisma, was ja wenigstens etwas wäre. Brad Morris als Fiesling ist auch kaum ernst zu nehmen, zumal er andauernd in irgendwelchen Tuntenleggins zu den Kämpfen antritt.
Wenige der Fights machen etwas her, aber insgesamt ist „American Kickboxer“ ebenso langweilig wie planlos. Da lieber noch mal alle Filme der „Kickboxer“-Reihe oder „Bloodsport“ plus sämtliche Sequels.