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Der verheiratete Bobby bekommt den Auftrag, Joanna zu beschatten, weil diese möglicherweise Geheimnisse ihres Arbeitgebers verkauft. Als Bobby feststellt, dass Joanna nachts als Prostituierte China Blue arbeitet, verfällt er ihr. Währenddessen ist der geisteskranke Reverend Peter Shayne der Überzeugung, Joanna retten und aus diesem Schmutz befreien zu müssen.


Ken Russell hatte seinerzeit mit China Blue Probleme, von der Prüfstelle ein R-Rating zu bekommen, zu kontrovers war der Film. So musste er, um wie von der Produktionsfirma New World Pictures verlangt, ein X-Rating zu vermeiden, mehrfach Kürzungen vornehmen. Letztlich scheiterte der Film im Kino, war aber auf Video sehr erfolgreich. Wir kommen aber inzwischen in den Genuss der ungekürzten Fassung, zudem gibt es sogar noch einen Director's Cut.


Erotik liegt ja immer im Auge der Betrachter:in, doch Ken Russell schafft es, Kathleen Turner wahrlich betörend verführerisch in Szene zu setzen. Die Sexzenen und Schattenspiele mit ihr knistern schon.

Ebenfalls knistern jene Sequenzen mit Anthony Perkins als Reverend Peter Shayne, wenn auch auf eine andere Art. Er spielt den zunehmend in den Wahnsinn abdriftenden Menschen höchst intensiv.

Leider fallen dagegen die Familiendramen um Bobby Grady und seine Frau stark ab. Sie bremsen den Film aus, obwohl zumindest ein Teil davon schon eine Bedeutung hat. Aber die ewig genervte Langeweile im Blick von Bobbys Frau und ihre ablehnende Haltung nerven mehr, als dass sie den Film weiterbringen.

Darstellerisch ist das allerdings erstklassig gespielt und das gilt für den gesamten Cast, nicht nur für die zugegebenermaßen wirklich exzellenten Kathleen Turner und Anthony Perkins. Und das Duo trägt den Film über weite Strecken. Die Szenen mit den beiden, ob einzeln oder gemeinsam, sind die großen Stärken des Films.

Nichtsdestotrotz ist die Story als solche ziemlich dünn. Es passiert im Grunde nicht sehr viel, doch die Dialoge sind teilweise hübsch scharf und machen Spaß. Dennoch zieht sich der Film bisweilen und Joannas Motivation nachts als China Blue unterwegs zu sein und sich gegen Geld sogar gespielt vergewaltigen zu lassen, wird bestenfalls angerissen, jedoch nicht erklärt.Zum Schluss hin wird zudem vieles nur noch nebenbei erwähnt, wodurch der Film letztlich etwas sprunghaft wirkt.


Damals ein kontroverser Film, der es aufgrund seines Inhalts schwer hatte, die nötige Freigabe zu bekommen. Heute ist Kathleen Turne noch immer zeitlos wunderschön, aber kontrovers ist das längst nicht mehr. Selbst die Schlagstock-Szene vermag nicht mehr zu schockieren, wie es damals wohl der Fall gewesen sein soll.

Am Ende bleibt etwas zäher, zu lang geratener Erotik-Thriller, der vor allem von den Leistungen von Kathleen Turner und Anthony Perkins und seinen erotischen Schattenspielen lebt. der Rest, insbesondere das Grady-Familienleben, ist dann doch leider etwas mau.

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