Man kann einem Thriller aus deutschen Landen ja schon fast gratulieren, wenn er nicht völlig unterdurchschnittlich ausfällt.
Das haben zumindest meine Vorurteile in den letzten Jahren fast immer bestätigt.
„Drawn in Blood“ ist zwar auch kein sonderliches Meisterwerk, unterhält aber überraschend gut und kann mit ein paar ansehnlichen visuellen Kniffen punkten, schließlich geht es unter anderem um die Welt der Comics.
Nur das Grundgerüst der Story hat man in verschiedenen Formen schon oft gesehen:
Ein Mann begeht scheinbar Selbstmord, doch die Schwester des Toten glaubt an ein Verbrechen und beginnt Nachforschungen anzustellen, was sie natürlich selbst in höchste Gefahr bringt.
Also reist Marian (Anna Fin) von New York nach Berlin, um die Leiche ihres Bruders Michael zu überführen. Bei Aufräumarbeiten in seiner Wohnung findet sie Fotos des verstorbenen Fotografen, die ein unbekanntes Paar beim Liebesspiel zeigen.
Kurz darauf lernt Marian Comiczeichner Eric (Tim Williams) kennen, - er ist der Mann auf den Fotos und lebt im gleichen Haus, in dem Michael wohnte.
Doch noch mysteriöser: Die Frau auf den Fotos wird schon bald ermordet aufgefunden.
Hatte Michael Eric mit den Aufnahmen erpresst oder steckt etwas ganz anderes hinter den rätselhaften Vorkommnissen?
Viel Raum zum Miträtseln wird dem Zuschauer nicht geboten, denn der Kreis der möglichen Täter ist klein und die Sachlage scheint eindeutig.
Marian trifft im Treppenhaus den merkwürdigen Bergen (Dan van Husen), der ebenfalls nicht an die Selbstmordtheorie glaubt, aber seine Erscheinung ist ihr unheimlich und er weiß mehr, als er sagt.
Später konfrontiert sie Comiczeichner Eric mit ihrer Erpressungstheorie und wie es das Klischee so will, verliebt sie sich auch in ihn. Ist er damit aus dem Schneider oder ist das der gute alte Trick des gutaussehenden Killers, jemanden um den Finger zu wickeln?
Etwas schleppend verläuft die erste Hälfte, in der zwar viel geschieht, aber wenig Gehaltvolles dabei herumkommt.
Die Charakterzeichnung der Figuren ist zu oberflächlich, um mit ihnen warm zu werden, was nicht unbedingt an den Darstellern liegt.
Hintergründe werden nur schwach erläutert, Marian wird einem als Mensch kaum nahe gebracht, obwohl sie die Hauptfigur und die meiste Zeit im Bild ist.
Von ihrer Beziehung zu Freundin Susann (Luise Bähr) erfährt man genauso wenig, wie über das Verhältnis zwischen Zeichner Eric und seinem Autor Steve, sie sind halt da.
In diesem Punkt erscheint mir der Film typisch deutsch: Menschlich kalt und oberflächlich, aber handwerklich, sprich visuell, fleißig und grundsolide.
Interessant ist nämlich, wie Regisseur Peter Palatsik die Sache teilweise verpackt hat.
Direkt in der ersten Szene haben wir einen Comicausschnitt statt eines Realfilms. Er zeigt den Mord eines Kapuzenmannes an seinem wehrlosen Opfer im Wald, während ein Junge starr vor Schreck zusieht. Mit dunklen Farben und viel Kontrast gezeichnet, gibt dies eine atmosphärische Einstimmung auf das Geschehen, welches seine Düsterheit im Verlauf glücklicherweise nie einbüßt.
Dafür sorgt der Einsatz diverser dunkler, leicht verwaschener Farbfilter und die streicherbetonte, mit Pianoklängen angereicherte Musik, die zu gefallen weiß.
Auch wenn es zu immer mal wieder zu einigen unnötigen Längen kommt, ist die Form der Inszenierung doch recht ansprechend ausgefallen.
Der Comicstil wird im Verlauf noch ein weiteres Mal eingeflochten und umgeht somit geschickt die grobe Schere der FSK. Hier fließt in einer Mordszene das Blut in Strömen, später, im Realfilm, sieht man nur kurz das Opfer.
Während man zu Beginn ein wenig an Suspense spart und sich vielen Dialogen und Nichtigkeiten hingibt (wofür ist es notwendig, dass Marian mit ihrer Mutter telefoniert, die in keinem Bezug zum direkten Geschehen steht und warum wird Marians ausschweifender Tanz in einem Club in sekundenanhaltender Slow-Mo festgehalten?), kommt das Finale fast hollywoodesk.
Es bietet immerhin einen kleinen Plot-Twist und ein wenig Bewegung, - Opfer gegen Killer, während eine dritte Instanz scheinbar außer Gefecht gesetzt am Boden liegt.
Kennt man auch schon, macht aber immer wieder Freude, auch wenn die letzten Minuten etwas gequetscht wirken und der Zuschauer an dieser Stelle gerne noch etwas länger mitgefiebert hätte.
Final kann man auch mit Hauptdarstellerin Anna Fin mitfiebern, die für ein Debüt alles andere als schlecht agiert und in einer Szene auch direkt blank zieht, in jeder Hinsicht ansehnlich
Einer meiner Charisma-Favorites, Dan van Husen, hat leider nur wenig Screentime und im Nachhinein scheint es mir, als seien seine kurzen Szenen nur dazu da, um sein Hannibal Lector Image zu verstärken und der Handlung etwas Ungreifbares zu verleihen.
Luise Bähr als Marians Freundin habe ich vor Jahren mal kurz durch den „Marienhof“ tingeln sehen, sie ist okay, wenn auch unauffällig.
Tim Willliams verleiht der zwielichtigen Figur Eric allerdings zu wenige Facetten, um interessant zu wirken.
Erwähnenswert ist noch Helmut Rühl als ermittelnder Polizist, der nicht wie einer aussieht, aber mit gut gespieltem Desinteresse und alltäglicher Routine ein authentisches Bild seiner Berufsgruppe vermittelt (Sorry, Cops!)
Kommen wir zum Ende, „Drawn in Blood“ ist insgesamt alles andere als eine Enttäuschung, auch wenn die Story ein wenig abgenutzt erscheint.
Die Darsteller mühen sich größtenteils mit Erfolg und das temporeiche Ende entschädigt für ein paar kleine Längen im Mittelteil.
Irgendwie will man dann ja doch wissen, wer Michael auf dem Gewissen hat, warum eine Comicreihe einen so derben Einfluss hat und wieso in den Comicsequenzen ein namenloser Junge auftaucht, der scheinbar keine Funktion hat.
Ich will diesen Thriller nicht gleich in den Himmel loben, aber gemessen an vergleichbaren Ergüssen aus Deutschland, ist dieser Film mal wieder ein Schritt in die richtige Richtung:
Meistens unterhaltsam und trotz routinierter, etwas ideenloser Story, ganz ordentlich verpackt.
6 von 10