Dass 'Basic Instinct' für Furore sorgt(e) und sogar als Skandalfilm abgestempelt wurde, mag zwar ein klitzekleines Stück weit nachvollziehbar sein, gibt es doch einige makabre Anstösse im Film, gleichzeitig ist 'Basic Instinct' meiner Ansicht nach aber auch Paul Verhoevens beste Regiearbeit. Auch wenn sich an dem prickelnden Mix aus Sex & Crime einige Gemüter scheiden, bleibt er einem doch stets in Erinnerung, denn hier wurde noch vom Besten das Beste zusammengewürfelt, die Kamera war in den bewährten Händen von Jan de Bont (Kameraverantwortlicher bei 'Stirb langsam', Regisseur von 'Speed'), die Musik von Jerry Goldsmith, die zu Recht für den Oscar nominiert war und das erotische Duo Michael Douglas und Sharon Stone, deren Image zugegebenermassen damals noch besser war. Paul Verhoeven, der vor und nach 'Basic Instinct' vor allem mit Gewalt-Orgien auf sich aufmerksam machte ('Robocop' '87, 'Starship Troopers' '97), kann seine Stärken auch bei 'Basic Instinct' voll und ganz ausspielen.
Denn gewaltlos ist die Story mit Sicherheit nicht. Gleichzeitig gehört das Drehbuch von Joe Eszterhas auch zu den besten, das je für einen Erotik-Thriller geschrieben wurde. Auch bei Überlänge (fast 130 Minuten) ist kein Moment an Langstieligkeit auszumachen. Die Morde häufen sich nicht gerade und sind an den wichtigen Stellen in der Story plaziert. Dass Paul Verhoeven die Durchführung und Darstellung der Morde mit besonders viel Sorgfalt inszeniert hat, verwundert nicht und passt auch zu der Story im Gesamtbild, denn der Mörder ist nicht von zimperlichen Eltern.
Der seelisch recht labile Cop Nick Curran (Michael Douglas) wird auf eben diesen Mörder angesetzt, dessen Indizienkette bei Catherine Tramell (Sharon Stone) beginnt. Diese zieht den gerade den Drogen entkommenen Cop Nick Curran sofort in seinen Bann und scheint dabei äusserst planvoll und überdurchschnittlich inteligent zu Werke zu gehen. Doch auch an Sexappeal fehlt es an dieser Figur nicht und der erotische Trieb, der bei Curran vernachlässigt gewesen ist, ist in ihr voll präsent, wobei auch aufs Geschlecht keine Rücksicht genommen wird. Curran verläuft sich immer mehr in Widersprüchen und erotischen Fantasien, sodass es auch noch einen Supportcast benötigt, der zum Grossteil aus dem fiesen Polizeirevier besteht, worunter jedoch ein echter Freund ist, und zwar Gus. Dieser wird sehr sympathisch von George Dzundza verkörpert und hilft bei der Aufklärung des seltsamen Mordes an einem Rockmusiker, der ans Bett gefesselt beim Rummachen zerstochen wurde.
Achtung, Spoiler
Die Fesselung mit einem Seidenschal ans Bett macht einen grossen Reiz bei 'Basic Instinct' aus, und auch Michael Douglas kommt später in den Genuss, einen solchen kennenzulernen. Diese von Kniffen, Wendungen und Tricks durchzogene Story ist immer wieder überraschend und dabei hochspannend. Dauernd tun sich neue Möglichkeiten in dem Fall auf, und haste nich gesehn, schon ist wieder eine Leiche aufgetaucht, die dem Fall wieder eine neue Richtung gibt. Bis am Ende auch die beiden Hauptermittler in höchster Gefahr schweben, was einer der beiden nicht überleben wird. Und wenn der Fall in Verwirrung zu ersticken droht, lockern Sexszenen, die wirklich prickelnd umgesetzt worden sind, die Geschehnisse wieder auf.
Auf das Ende möchte ich gar nicht näher eingehen, aber ich finde, so wie es gestaltet worden ist, ist es perfekt, denn eine eindeutige Lösung hier dem Zuschauer zu präsentieren, würde viel Flair des Filmes zerstören. Der Diskussionsbedarf, der hinterbleibt, ist sinnvoll und durch haarsträubende Bilder (Eispickel!!) bleibt der Film bis zur letzten Sekunde spannend, aber halt in gewisser Weise auch unaufgeklärt. Man kann es drehen, wie man will, ich finde das absolut passend; man hätte es nicht besser machen können.
Spoiler Ende
Michael Douglas spielt hier wirklich eine seiner besten Rollen. Er wirkt absolut überzeugend, glaubwürdig, emotional und auch agressiv, wenn nötig. Er spielt jeden Charakterzug Nick Currans fein aus und lässt eine von Grund auf unsympathische Person für den Zuschauer herzensnah und lebendig erscheinen.
Sharon Stone musste nach 'Basic Instinct' das Image einer dauernden Filmschlampe erleiden; und, zugegeben, wirklich gute Filme ('Catwoman'?, 'Basic Instinct II'?) sind bei ihr in letzter Zeit nicht gross rausgekommen. Hier jedoch gibt sie alles, versetzt Catherine Tramell einen besonderen, fast magischen Touch. Die Dialoge mit ihr machen Spass und mit demselben Augenzwinkern sorgte sie für wahrscheinlich DIE Skandalszene schlechthin. Der Beinüberschlag beim Verhör ist in die Filmgeschichte eingegangen. Der Zuschauer kommt bei den Hauptdarstellern voll und ganz auf seine Kosten, denn die beiden tragen wirklich den Film.
So bleiben die Nebenrollen bis auf Gus Moran (Dzundza) und die Psychologin Beth Garner (Jeanne Tripplehorn) recht unbeachtet, was aber auch nicht stört, sondern eher passend ist, da sie alle bis auf die zwei gerade genannten keinen grossen Einfluss auf die Geschichte haben werden.
Dass das hervorragende Drehbuch und die brillanten Schauspieler den Film weitgehend ausmachen, ist klar. Was wäre 'Basic Instinct' aber ohne seinen prächtigen Score. In Action- und Mordszenen gefährlich und erschreckend, in Erotikszenen lieblich, aber gleichzeitig bedrohlich wirkt er ungemein auf das Filmgeschehen und harmoniert immer mit ihm und dem Zuschauer vor der Leinwand. Selbst beim Abspann läuft einem da noch ein eiskalter (oder heisser??) Schauer über den Rücken. Eine echte Glanzleistung von Goldsmith. Genau wie die Kameraarbeit von de Bont. Zusammen mit Regisseur Verhoeven ein perfektes Trio, das sich da 'Basic Instinct' angeeignet hat. In meinen Augen die beste Riege hinter der Kamera, die man sich für einen solchen "Skandalfilm" verpflichten könnte.
Dass 'Basic Instinct' mehr als nur ein guter Thriller ist, liegt an den vielen wirklich kultigen Szenen. Gesagt seien da nur das Verhör mit Beinüberschlag, das Finale, das den Puls astronomisch in die Höhe treibt oder die reichhaltigen Bettszenen, die teilweise durchaus derb ausfallen. Eine 16er-Freigabe ist wirklich sehr lukrativ und gnädig, ist das Gezeigte - und vor allem wie es gezeigt wird - für jugendliche Augen doch ungeeignet.
Dies alles bekräftigt allerdings den intensiven Eindruck, den 'Basic Instinct' hinterlässt.
Fazit:
'Basic Instinct' ist der bis dato beste Erotikthriller, der das Genre etabliert hat, leider aber auch etliche billige Kopien nach sich gezogen hat. Mit Bestbesetzung vor und hinter der Kamera, tiefgründigem Drehbuch, Spannung und prickelnder Erotik sowie unzähligen Wendungen, Überraschungsmomenten und Hochspannungsfinale verdient sich 'Basic Instinct' die volle Punktzahl. Kult!