BASIC INSTINCT ist für mich einer der besten Thriller überhaupt. Er ist schnell, spannend, perfekt inszeniert und exzellent besetzt (bis in die kleinste Nebenrolle hinein). Intelligent, geheimnisvoll und streckenweise sogar komisch präsentiert hier Paul Verhoeven sein Meisterstück, ein Film, an dem einfach alles stimmt: die Musik von Jerry Goldsmith, die die Handlung und Figuren vorantreibt und -peischt, die genialen Einstellungen und Kamerafahrten von Jan de Bont, die Darstellerleistungen - allen voran Douglas und Stone -, das Script, das bis zuletzt Spannung aufbaut und fesselt...
Der Film erzählt von Passionen und Obsessionen, von Zwängen und Schwächen, von Sucht, Sehnsucht und Suche, von Echtheit und Maskerade, von Spiel und Ernst, von Liebe und Hass und von Ängsten.
Bis zuletzt wird der Spannungsbogen gehalten, bleibt der Film in sich geschlossen. Es tun sich keine einfachen Lösungen auf, keine Banalitäten in Form von Figuren und Bezügen, die nachträglich eingefügt, zusammengefügt und geflickschustert werden. Naiv wie Nick (Douglas) tappt der Zuschauer von einer Fährte zur nächsten, tun sich ihm immer wieder Abgründe auf (innere und äußere), hat er Ahnungen und Verdachtsmomente, die sich weder bestätigen noch entwerten lassen. Bis zuletzt kann jede der 3 Frauenfiguren "es" gewesen sein - vielleicht gibt es eine Täterin für alle Taten, vielleicht aber auch für jedes Verbrechen eine andere. Dieses erste und letzte Geheimnis löst der Film nicht auf - und das läßt einen mit einem kalten Grauen zurück - Vertrauen in die Wirklichkeit des Gesehenen und dessen Erklärung ist und bleibt das, was uns Nick als Vertrauen vorführt: blind und eher Glaube als Wissen, eher Schein als Sein. Wir Zuschauer können uns lediglich an die Wirklichkeit von Nick halten - und auch die ist alles andere als sicher und stabil.
Insofern kann BASIC INSTINCT als eine Variante des Themas von Verhoevens letztem holändischen Film, "De Vierde Mann" angesehen werden, als dessen Fortführung sozusagen: ein Mann verstrickt sich in seine Obsessionen und verliert sich allmählich und unaufhaltsam darin.
Folgerichtig spielen in BASIC INSTINCT auch Blicke (und deren Zerstörung) eine große Rolle - die Kamera ist in ständiger Bewegung, kreist herum, fährt umher. Ausgehend vom Blick in einen Spiegel - also in ein Abbild der Wirklichkeit - beginnt der Film dann auch gleich mit der radikalen Zerstörung des Blicks durch den entsetzlichen Stich des Eispickels ins Auge des gefesselten und wehrlosen Mannes (Verhoeven hat - wie Fulci - eine Vorliebe für Angriffe auf Augen: u.a. "De Vierde Mann", Total Recall", "Basic Instinct").
Es gibt auch noch den Blick auf den Film durch die Skandal-Brille. Doch dieser Blick interessiert mich nicht. Die berühmte "Beinüberschlagszene" beinhaltet z.B. sehr viel mehr (Dialog, Kameraführung, das Spiel Stone-Douglas, usw.) als lediglich den millisekundenlangen Blick auf Sharon Stones Schritt. Überhaupt wird die Figur Stones oft nur auf ihre erotischen Komponnenten reduziert - und Mrs. Stone hat wahrlich mehr zu zeigen als nur ihren Körper. Ihre Wandlungsfähigkeit in BASSIC INSTINCT finde ich enorm und ihr Schauspiel wirklich beeindruckend.
Das soll natürlich nicht heißen, daß BASIC INSTINCT nicht auch für ein verdammt erotischer Film ist - im Gegenteil. Nur reduziere ich ihn nicht darauf.
Bei aller Analyse und Interpretation, bei allen Skandalen und Erotik ist BASIC INSTINCT aber auch schlicht und ergreifend eine Liebeserklärung an das Kino Alfred Hitchcocks, insbesondere wohl an VERTIGO. Nicht nur die Geschichte von einem Mann, einem Polizisten, "der sich in die falsche Frau verliebt" (O-Ton Catherine Tramell - Sharon Stone) oder - ganz banal - die Location San Francisco erinnern an VERTIGO - besonders in der berühmten Verhör-Szene, die auch den skandalträchtigen Beinüberschlag enthält, sieht Sharon Stone auch aus wie eine Reinkarantion von Kim Novak. Es gibt aber auch zwei Reminiszenzen an FAMILY PLOT (die Autoverfolgung über die kurvenreiche Bergstraße und die blonde Perrücke, die Beth (Jeanne Tripplehorn) beim Mord an Gus (George Dzundza) getragen haben soll - ein Accessoir, das schon De Palma in "Dressed To Kill" verwendet hat).
Abschließend möchte ich sagen: BASIC INSTINCT ist für Freunde und Freundinnen anspruchsvoller und intelligenter (Thriller-) Unterhaltung unbedingt zu empfehlen.
Ich habe den Film bereits mehrmals gesehen - und noch nicht zum letzten mal !!!