Review

Die Schriftstellerin Catherine Tramell ist die Hauptverdächtige in einem Mordfall, bei dem das Opfer während eines Techtelmechtels im Bett mit einem Eispickel abgestochen wurde. Da sie allerdings ein beinahe identisches Szenario bereits vor dem Zeitpunkt der Tat in einem ihrer Bücher verarbeitet hat, hat sie auch ein recht gutes Alibi parat... denn niemand würde über einen Mord schreiben und diesen dann auch haargenau so ausführen, oder? Der ermittelnde Detective Nick Curran, dem eh schon die Dienstaufsicht im Nacken sitzt, wird dabei tiefer in den Fall verwickelt, als ihm eigentlich lieb ist, denn dieser verguckt sich in die berechnende Autorin und bändelt mit ihr an. Catherine arbeitet derweil an einem neuen Roman, in dem es um einen Polizisten gehen soll, der sich in eine Mörderin verliebt und als dann auch noch ein verhasster Kollege von Nick mit einem Einschussloch im Kopf aufgefunden wird, gerät der Cop selbst in Teufels Küche. Derweil kommen während den Ermittlungen immer mehr mysteriöse Details aus Catherines Vergangenheit ans Tageslicht und sogar Nicks Therapeutin Beth scheint irgendwie in die Angelegenheit verwickelt zu sein... Hach ja, "Basic Instinct"... viel Geschrei und wenig Wolle. Anders als bei seinen vorhergehenden, wesentlich vielschichtigeren Genre-Beiträgen "RoboCop - Das Gesetz in der Zukunft" und "Die Totale Erinnerung - Total Recall" sorgt Paul Verhoeven, der nun endgültig in Hollywood angekommen ist, mit seiner Inszenierung nach Maß zwar wieder für spektakuläre Bilder (auch wenn es in "Basic Instinct" halt nicht die Spezial-Effekte sind, die einen umhauen, sondern halt... *ähem*...), kann damit aber auch nicht verschleiern, dass sich unter der bewusst skandalträchtigen Oberfläche mal wirklich überhaupt nichts verbirgt... am allerwenigsten eine ausgefeilte Thriller-Handlung, denn Joe Esterhaz' Krimi-Plotte im Kern passt vorne und hinten nicht zusammen. Irgendwelche europäischen Sensibilitäten bringt Verhoeven dabei allerdings nicht unbedingt ein, denn abseits der ausführlichen Matratzen-Akrobatik ist das Ganze schon haarklein nach der üblichen US-Copfilm-Masche gestrickt. Rein erzählerisch betrachtet hält der Holländer die Zügel zudem nicht so fest in der Hand, wie er es eigentlich sollte, und so verfestigt sich mit zunehmender Laufzeit der Eindruck, dass ihm die Geschichte mehr als nur einmal glatt entgleitet. Die völlig unwürdige Ab- und wieder Aufblende in der allerletzten Einstellung wirkt dann sogar so, als hätte man sich nicht für ein definitives Ende entscheiden können und deshalb einfach mal zwei verschiedene Auflösungen aneinander getackert. Wer sich da nicht von der hochglänzenden Machart an der Nase herumführen lässt und sich neben (viel) Sex und (etwas) Gewalt tatsächlich auch noch ein wenig Substanz erhofft, dürfte da abseits von einigen über Gebühr aufgebauschten, ikonischen Einzel-Momenten eher in die Röhre schauen, denn "Basic Instinct" bietet in dieser Beziehung weder so etwas wie Logik noch einen durchgängigen Spannungs-Bogen. Apropos "In die Röhre schauen": Der Bein-Überschlag beim Verhör mag zwar Film-Geschichte geschrieben haben, hat mich aber damals schon eher enttäuscht und ist das Aufhebens, das darum gemacht wurde, mal echt nicht wert... ganz im Gegensatz zu Sharon Stone selbst, die da bereits eine Dekade voller B-Movies hinter sich hatte (na, wer erinnert sich noch an Wes Cravens "Tödlicher Segen", die beiden "Quatermain"-Streifen von Cannon und "Police Academy 4"...?) und bei der man absolut nachvollziehen kann, dass sie hiernach zum Sex-Symbol der 90er Jahre schlechthin geworden ist. Ganz unabhängig von seinen filmischen Qualitäten, über die man gepflegt streiten kann, dürfte die größte Leistung von "Basic Instinct" übrigens auch wirklich darin liegen, den Startschuss für eine wahre Flut von Erotik-Thrillern gegeben zu haben, die da solche auf die Schnelle ziemlich hakelig zusammengestoppelte Streifen wie "Body of Evidence", "Jade" oder "Never Talk to Strangers - Spiel mit dem Feuer" mit sich gebracht hat... mal ganz zu schweigen von den unzähligen B-Movies, die da im Anschluss in die Videotheken gespült wurden. Man merkt's, für ein Meisterwerk oder auch nur einen modernen Klassiker halte ich "Basic Instinct" trotz der Empörung einiger prüder Amis sowie dem veranstalteten Tohuwabohu von Schwulen- und Lesben-Verbänden, die - natürlich ohne ihn gesehen zu haben - gegen den Streifen Sturm gelaufen sind und vor den Kinos protestiert haben, ergo nicht unbedingt... im Gegenteil, ich fand ihn schon damals lediglich mittelmäßig und an meiner Meinung hat sich auch ein paar Jahrzehnte später nicht wirklich irgendwas geändert. Ach ja, und ob "Basic Instinct" nun tatsächlich den "Fick des Jahrhunderts" (Original-Zitat aus dem Film) beinhaltet, sei auch mal dahingestellt... es gibt da ja immer noch "Das lange Elend", newa...

5/10

Details
Ähnliche Filme