Wer den deutsch-amerikanischen Schriftsteller und Lyriker Charles Bukowski (1920 – 1994, Gott hab ihn selig) kennt, der weiß, was einen hier erwartet: Exzessives Alkoholkonsum, wahlloses Herumhuren, Sex im Vollrausch, obszöne Fäkalsprache, ein Leben im Exzess ohne Antrieb und Daseinsberechtigung, ein komatöses Dahinsiechen im Rinnstein der Gesellschaft. In seiner Hochphase war Bukowski ein Kerl, der seine hellsten Momente immer dann hatte, wenn er mordsmäßig einen in der Krone hatte. Sein Hauptcharakter und Alterego Hank Chinaski, der in mehreren seiner Werke auftaucht, scheint stets einen Großteil seiner Selbst widerzuspiegeln, ist jedenfalls auch ein alkoholkranker Taugenichts, der sich hauptsächlich voll laufen lässt und nebenbei etwas Poesie kritzelt.
In „Barfly“ übernimmt nun Mickey Rourke die ehrenvolle Rolle des Säufer-Philosophen Chinaski und torkelt durch mehr oder weniger erbauliche Erlebnisse. „Barfly“ ist, wie der Titel schon sagt, eine Aneinanderreihung von „Szenen eines wüsten Lebens“. Und wie sich das Leben eines Alkoholikers eben gestaltet, ist auch der Film ein einziger Rausch, sprich: eine Abhandlung von irrwitzigen Geschehnissen ohne echten Zusammenhang.
Die Story besteht im Grunde nur aus Hank (Rourke), der sich einen Drink nach dem andern reinzischt, dann die psychisch kranke Nymphomanin Wanda (Faye Dunaway, „Chinatown“, „Bonnie & Clyde“) kennen und lieben lernt, dann wird gemeinsam gezecht, dann fliegen die Fetzen und dann ist der Film auch schon bald wieder zu Ende. Einen wirklichen Höhepunkt gibt es nicht. Alles plätschert so vor sich hin, wie ein Urinstrahl in einem Pissoir.
Das Geschehen spielt sich in den heruntergekommensten Vierteln ab, in den schäbigsten Bars und Spielunken. Chinaski wandelt in einer Welt des Abschaums, in der ein jeder nur den einen Lebensinhalt hat und zwar den in seinem Trinkglas. Er stolziert durch sie hindurch wie ein König der Säufer und geht trotzdem jeden Abend als ihr größter Verlierer zu Bett.
„Leute sind mir zuwider. Ich hasse sie.“
– „Oh ja?“
„Hassen Sie sie?“
– „Nein, aber ich glaub ich fühl mich besser, wenn keine da sind.“
Die Stimmung hängt also fast ausschließlich an der Charakterisierung des pöbelnden Poeten Chinaski. Mickey Rourke mimt den Säuferkönig – wahrscheinlich aufgrund ausgiebiger Recherche und Eigenerfahrung – zwar überaus glaubhaft, wer aber mehr als ein Buch von Bukowski verschlungen hat, der dürfte unter Umständen ein anderes Bild von dem Charakter Chinaskis im Kopf haben. Im Buch ist Chinaski nämlich schäbig, hat aber eindeutig mehr Stil, mehr Klasse, ähnlich einem Adligen unter den Pennern. Rourke dagegen schlingert herum wie ein Orang-Utan auf Opiaten und war damals, wer weiß, vielleicht einfach noch etwas zu jung für die Rolle. Bei Chinaski stellt man sich eben Bukowski vor. Einen Kerl in seiner Statur und seinem Alter. Gut, diese Meinung ist jetzt sehr subjektiv. Es soll nur veranschaulichen, dass Buch und Film auseinanderklaffen.
Bukowski hat hier übrigens einen Cameo-Auftritt, natürlich als Bargast. Auch die Schauplätze sind authentisch: Wandas Wohnung diente etliche Jahre vor Dreh Bukowski als Behausung. Sie fand unbeabsichtigt in den Film.
„Wie geht’s deinem Schädel?“ – „Ouh, mein Schädel braucht ein Bier.“
Fazit:
„Fear And Loathing In Las Vegas“ nur mit Alkohol. Durchaus ein netter Streifen, Rourke passt gut, aber nicht perfekt in die Rolle des Underdogs, insgesamt tut man aber eindeutig besser daran Bukowski zu lesen und nicht zu schauen. Mein Tipp: „Das Liebesleben der Hyäne“, „Fuck Machine“, „Der Mann mit der Ledertasche“, „Hot Water Music“ und „Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel“.