Review

(ACHTUNG SPOILER)

Der kleine David beobachtet, wie hinter dem Grundstück seines Elternhauses ein gigantisches Ufo landet. Seine Eltern glauben ihm nicht. Doch schon am nächsten Morgen ist Davids Vater irgendwie nicht mehr derselbe...

Tobe Hoopers Stern strahlte kurz und hell. Das ‚Blutgericht in Texas‘ begründete seinen Ruf als radikaler Nachwuchsregisseur. Seinen größten ökonomischen Erfolg erreichte er mit dem familienfreundlichen ‚Poltergeist‘. Anschließend schloss Hooper mit Cannon Films einen Vertrag über drei Filme: ‚Lifeforce‘, ‚Invasion vom Mars‘ und ‚Texas Chainsaw Massacre 2‘. Ein für beide Seiten verhängnisvoller Deal, denn der schmale Gewinn von ‚TCM 2‘ lag weit unter den Verlusten der beiden anderen Filme. Die Flops läuteten praktisch Hoopers Karriereende ein und waren gleichzeitig weitere Sargnägel in der ruinösen Geschichte von Cannon.
‚Invasion vom Mars' ist das Remake des gleichnamigen Films von William Cameron Menzies aus dem Jahr 1953. Oscargewinnerin Louise Fletcher (‚Einer flog über das Kuckucksnest‘) in der Rolle der bösen Lehrerin sowie die SFX-Experten John Dykstra (‚Krieg der Sterne‘) und Stan Winston (‚Aliens‘) wurden für die Goldene Himbeere nominiert. Die Jury übersah, dass Fletchers Overacting und der trashige Look der Marsianer beabsichtigt waren und essentiell für das (kindliche) Verständnis des Films sind.
Die im Kern unveränderte Story wird aus Davids Sicht erzählt. Und ausgehend vom Erlebnis- und Erwartungshorizont eines Zehnjährigen ergeben die scheinbar absurden Abläufe plötzlich Sinn: David ist der Erste, der von der Invasion weiß. Als er einem Army-General hiervon erzählt, packt der Leute und Gerät zusammen und fährt schnurstracks zur angegebenen Stelle. David darf beim General im Wagen sitzen. Seine böse Lehrerin wird von den Marsianern erst umgepolt und dann gefressen, die liebe Lehrerin hingegen und auch seine Eltern können im letzten Moment dank seiner Hilfe befreit werden. Großer Held der Stunde ist also nicht etwa das Militär, sondern David – der nebenbei bemerkt im Film so alt ist wie Hooper bei Erscheinen des Originals. Träume eines Jungen...

Vor diesem Hintergrund ist es umso ärgerlicher, dass dem Remake dasselbe Schicksal wie dem Original widerfuhr. Denn die abrupt endende deutsche Fassung war um die letzte Szene gekürzt – mit sinnentstellender Wirkung. 2014 erschien der Film erstmals uncut in Deutschland. Ansehen!

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