Review

Wenn mich von einem körnigen 70’s-B-Movie Plakat Samuel Jackson und eine angekettete Christina Ricci anblicken, dann könnte man schon mal denken, das Exploitationgenre würde einen modernisierten Schmutzfleck auf unsere Kinos loslassen.
Dafür allein sollte man schon mal dankbar sein.

Allerdings ist „Black Snake Moan“ dann doch nicht so krass und provokativ, wie der Blurb es in zahlreichen Zeitschriften uns entgegenschreit. Der Film entpuppt sich einem sehr spekulativ-freizügigen Beginn, infolge dem sich die nymphomane Rae (Ricci) nach der Abfahrt ihres Freundes (Timberlake) zum Militär mittels Drogentrip quer durch eine Kleinstadt vögelt, als eine augenzwinkernde und symathische Südstaatenballade rund um Sünde, Liebe und Erlösung, die ihre religiöse Motivation ausnahmsweise mal nicht mit dem Holzhammer verabreicht.

„Hustle and Flow“-Regisseur Craig Brewer nimmt die Zuschauer in leicht schwülen Bildern mit auf eine kaum vorher berechenbare Reise zweier Menschen, deren Schicksale genauso verkettet sind, wie Ricci mit der überdimensionalen Heizung in Jacksons Haus.
Als dieser begreift, dass Rae wie eine schicksalhafte Parallele zu seiner ihm untreuen Frau wirkt, begreift er dies als Rettungsauftrag und nüchtern die Geschundene erst aus und lässt sie dann nicht in ihr altes Leben zurück.

Wo Andere jetzt mit religiösem Wahn und Aggressivität, nicht zuletzt sexueller Provokation weitergemacht hätten, finden die beiden Menschen in Brewers Film nach einigen amüsanten Zwischenspielen relativ schnell beisammen. Jacksons Lazarus ersteht wie sein biblisches Vorbild von den Toten wieder auf, macht wieder Schritte in Richtung seines alten Lebens, spielt wieder den Blues und nähert sich vorsichtig einer freundlichen Apothekersfrau an, während Riccis Rae relativ schnell lernt, die Entschiedenheit ihres Aufsehers zu schätzen und die für sie damit verbundenen Vorteile zu schätzen, um mit ihrer Mißbrauchsvergangenheit klar zu kommen.

„Black Snake Moan“ lebt hauptsächlich vom Konfliktmanagement und wenn auch längst nicht alles glatt geht für die Protagonisten, so setzen sie doch bis zum Ende einen Schritt vor den anderen, ohne das das in Tragik oder eine Gewaltorgie ausartet.
Brewer findet dazu intensive Bilder, setzt Riccis nymphenhaften Trümmerlotten-Chic immer wieder wunderbar in Szene, das White-Trash-Vorstadtgör als sympathisches Kaputtchen. In einigen Sequenzen, wenn Jackson ihr auf seiner Gitarre den titelgebenden „Moan“ vorspielt, während sie vor ihm auf dem Teppich kauert und hinter ihr ein Gewitter irrlichtert, ist von bestechender Qualität.

Wenn man dem Ganzen etwas vorwerfen will, dann das die Zweckmäßigkeit des Films durch die nur angerissenen Konflikte etwas in Frage gestellt wird. Zu direkt steuert Brewer auf ein Happy End zu, das er natürlich nicht ganz einlösen kann und irgendwie ins unentschiedene Nichts läuft, ein süßliches Ende zu einem anfänglich so spritzigen Film.

Da fragt sich der normale Kinogänger natürlich, was man mit so einer schrägen Geschichte anfangen soll, vergisst er doch über den Unterhaltungsanspruch immer wieder gern, wie faszinierend manche Charaktere sind und wie eine ungewöhnliche Geschichte den Zuschauer aufgrund der puren Neugier bannen kann. Insofern funktioniert der Film hervorragend.
Zweifelsohne wird „Black Snake Moan“ ein Geheimtipp bleiben, glänzend allein schon durch das Bild Riccis und diverser mitreissender Bluessongs, die Jackson geradezu herzbrechend intoniert. In diesen Momenten fühlt sich Brewers Film sehr lebendig an, etwas, was man beim oftmals sehr künstlichen Blockbusterkino vor Effekten gar nicht so recht merkt.
(8,5/10)

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