Darf man über Lebensmüde lachen, die es nicht schaffen, sich umzubringen? Nun, wenn es so witzig & charmant umgesetzt wurde wie hier, dann ganz bestimmt. Jack Lemmon ist Felix, ein neurotisches, am Boden zerstörtes Häufchen Elend, nachdem seine 12jährige Ehe zu Bruch gegangen ist. Er nimmt sich ein Hotelzimmer im neunten Stock, um aus dem Fenster zu springen, doch sein Vorhaben scheitert, als er das Fenster nicht aufkriegt & sich das Kreuz verreißt.
Walter Matthau ist Oscar, ein Sportreporter, der die Scheidung bereits hinter sich hat, das freie Leben genießt & die Haushaltsführung sich selbst überlässt. Er bietet seinem Freund Felix an, eine Weile bei ihm zu wohnen, bis er wieder Boden unter den Füßen gefunden hat. Nicht ganz einfach, bei diesen gegensätzlichen Charakteren.
Der Witz sprüht zwischen Lemmon & Matthau, die prächtig miteinander harmonieren & sich herrlich spritzige Wortgefechte liefern. Oscar: "Gestern Abend komme ich nach Hause, sehe dich in der Küche auf den Knien rumrutschen und jammern, oh, diese Fußspuren, diese Fußspuren!" Felix: "Ich hab’ ja nicht gesagt, dass es deine waren." Oscar: "Es waren aber meine und ich habe Füße und die machen Spuren. Was erwartest du von mir? Dass ich wie ein Eichhörnchen über die Schränke klettere?" Felix: "Nein, ich erwarte, dass du auf dem Fußboden gehst." Oscar: "Das find’ ich lieb von dir."
Gut, dem heutigen Jungvolk entlockt man mit solchen Dialogen vermutlich keine Lacher, aber als älteres Semester fühlt sich das einfach toll & richtig & kein bisschen antiquiert an. Die beiden grandios gespielten Hauptfiguren haben Tiefe, wodurch manche Szenen auch zu Herzen gehen, etwa wenn Felix Oscar "die Meinung geigt". Ein Highlight für sich ist das Date mit den "süßen kleinen Piepvögelchen", zwei alleinstehenden, etwas überdrehten & ständig kichernden Damen aus England mit Namen Fink. Wie die am Ende alle heulen, ganz köstlich! Das versöhnliche Ende trifft dann auch noch den richtigen Ton. Großartig!