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1932 macht sich der amerikanische Grabräuber Bhatia auf die Suche nach dem "Atma-ling"-Stein, den Bhagirath vom Gott Shiva erbeten hatte, um Ganga wieder auf die Erde zu holen. Der Stein kann dies vollbringen, Gangas Wasser würde unsterblich machen. Doch dies bleibt Bhatia verwehrt, denn der Stein wird von einem magischen Trishul und einer Riesenschlange bewacht. Bhatia muss den Stein fallen lassen. 73 Jahre lang bleibt er verschollen. Just in dem Jahr, in dem er Ganga wieder herbeirufen könnte, kommt ihm ein Professor auf die Spur und benachrichtigt seine Schülerin Swapna in Amerika. Dann wird er von den Schergen des mittlerweile 99-jährigen Bhatia ermordet. Swapna reist nach Indien und trifft den wackeren Anji, der durch Zufall auf den Stein stösst und ihn zu seinem Guru bringt. Doch der gierige Bhatia ist ihnen bereits auf der Spur.

Bollywood und ich waren noch nie Freunde gewesen und werden es höchstwahrscheinlich auch nicht mehr werden, aber da der Steifen Diler nun mal höchst offiziell sich als asiatische Variante von Indiana Jones ausgibt, hat dann doch die Neugier mal wieder überwogen. Dazu bedient man sich des formidablen Wortspiel-Untertitels Indian Jones (indian = englisch für indisch, Jones = englisch für Jones) und nach fünf Minuten Lachanfall darüber, wanderte die DVD auch gleich mal in den Player. Ums schon mal vorwegzunehmen, zumindest meine generellen Hauptkritikpunkte an filmischen Auswürfen des Subkontinents fanden nicht statt. Mit etwas über 100 Minuten ist man für die landestypischen Verhältnisse zum einen quasi in einem Kurzfilm gelandet und, gepriesen sei Shiva, es gibt in der deutschen Version auch keinerlei Gesangs- oder Tanzeinlagen, von denen ich bisher immer ausgegangen bin, das sie in Indien gesetzlich für jeden Film verankert wären.
Ich glaube aber ich verrate nicht zu viel, das wir uns doch so etwa zwei bis drei Ligen unterhalb des Harrison Ford Originals bewegen. Hier haben wir den Held Anji (was komischerweise immer als Anju ausgesprochen wird) der mit gestrengem Blick und stets gut geföhnter Frisur, zwar auch durch unterirdische Tempel mit eingebauten Todesfallen krauchen darf, aber natürlich längst nicht das Flair des US-Originals verströmt. Man klaut zwar direkt einige Elemente, wie beispielsweise die Brücke des Vertrauens aus Indy und der letzte Kreuzzug, aber das alleine reicht natürlich nicht. Lustiger fand ich da schon den Klau des Gags aus Crocodile Dundee („das nennst du ein Messer? DAS ist ein Messer“), denn der kam unerwartet.
Zudem startet der Film auch im Jahr 1932, das ist so ungefähr das Indy Wetter, allerdings gibt es hier keine Nazis und dient auch nur als Vorspann. Wir haben als Grabräuber Bathia der den Amri Stein finden will um Ganga zu beschwören, um durch dessen Wasser unsterblich zu werden. Alles klar, soweit? Das wird auch Zeit den die Hauptstory spielt 73 Jahre später, Bathia ist ein 99-jähriger Faltsensack mit ca. 3 cm langen Altersohrläppchen geworden und setzt alles daran den Stein zu finden, den wieder Anji oder Anju oder was weiß ich durch Zufall findet und zusammen mit der überdrehten aus den USA zurückgekehrten Swapna seinem Guru gibt, während Bathia seine Schergen auf die Jagd schickt.
Immerhin nimmt man die Geschichte selbst nicht übermäßig ernst. Man gönnt sich ein paar nette Sprüche, die zwar nicht so richtig zum Brüllen sind, aber noch deutlich über dem Klamauk aus Hong Kong steht. Dazu gönnte man sich noch zahlreiche mittelmäßige CGI Effekte, wie bei der Riesenschlange und an das wohl innerbetrieblich vorgegebene Overacting gewöhnt man sich mit der Zeit. So ergibt sich eine leidlich interessante Abenteuerkomödie, die aber auch ab dem Mord am Guru ziemlich in Brutalität ausartet. Da killt der Anjo oder Anja oder wie auch immer ganze Horden von Fieslingen und der Film ziert sich noch nicht mal ein kleines Mädchen anzuschießen, um den Helden Anj(hier bitte Vokal ihrer Wahl einsetzen) zu motivieren in den Tempel des Todes einzudringen, den Stein zu finden, die Riesenschlange zu besänftigen und durch einen plumpen Trick den scheinbar unbesiegbaren und unsterblichen Bathia zu besiegen. Aber trotzdem, Diler verhält sich zu Indiana Jones in etwa wie Raumschiff Orion zu Star Wars. Ist halt doch nicht so unbedingt dasselbe.
5/10

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