„War ganz okay!“ – das war der generelle Tenor nach Ansicht des dritten „Mission Impossible“-Films.
Okay – im positiven Sinne, wenn man sich noch des missglückten zweiten Teils erinnert, der zur totalen Tom-Cruise-Übermensch-Show verkam und angedenk des ersten, auch schon nicht mit totaler Logik gegeißelten, aber spannungstechnisch ansprechenden ersten Films.
Ethan Hunt ist zurück und inzwischen hat er eine Freundin (im Laufe der Handlung bald Ehefrau) und kehrt nach einer gewissen Zeit als Ausbilder zurück in den aktiven Dienst, weil es erst eine ehemalige Schülerin zu befreien gilt und dann der Vergeltungssinn alle Anstrengungen gegen einen skrupellosen Waffenschieber und Schwarzhändler richtet, der einen biologischen Kampfstoff verscherbeln muß.
Nach Brian de Palma und John Woo hat nun TV-Regisseur J.J.Abrams das Zepter übernommen und man muß eingestehen, dass er sich seiner Sache ganz ordentlich erledigt.
Er liefert mal wieder Blockbusterbombast in den Actionsequenzen und darf sich auch einigen Referenzen aus der klassischen TV-Serie widmen; dem witzigen Missionsauftrag mit Selbstzerstörung, dem wieder ausgefeilten Team und vielen Maskengimmicks.
Erfreulich, dass die Ein-Mann-Armee Cruise wieder einem Team gewichen ist, neben Ving Rhames als Luther sind auch gleich noch eine Frau und ein Pilot dabei und polstern die Missionen ein wenig aus.
Und qualitativ vom Feinsten ist der frischgebackene Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman als Bösewicht, der so geradlinig bösartig und effizient gnadenlos daherkommt, wie man sich Filmschurken nun mal wünscht. In jeder Szene spielt er Cruise lässig an die Wand (was zugegebenermaßen in so einem Popcornstoff auch nicht schwer ist) und lässt der Widerlichkeit freien Lauf.
Zwei weitere Dinge erfreuen das Auge: da ist einmal „Shaun of the Dead“ Simon Pegg als hilfreicher Computerspezialist und letztendlich die Verwendung eines klassischen MacGuffin a la Hitchcock in Form eines biologischen Kampfstoffs, dessen Käufer und Verkäufer nie genannt werden. Wenigstens in ein, zwei Sätzen lässt man dabei etwas USA-Außenpolitiks-Kritik anklingen, das kann aber auf Wunsch als Alibi abgetan werden.
Ansonsten wird aber nur Dienst nach Vorschrift geleistet: eine dicke Rettungsaktion-Actionsequenz zu Beginn, in der es nach Herzenslust nur so kracht und zischt, aber die ohne Inspiration daherkommt. Viel Ballerei, wenig Übersichtlichkeit, was bei dem hektischen Schnitt, der dauerhaften Stroboskopbeleuchtung und den unendlichen Munitionsvorräten irgendwie kein Wunder ist. Zu lang und zu langweilig.
Die Entführung des Bad Guy aus dem Vatikan ist dann das universelle Schmuckstück des ganzen Films, in dem es mit wenig Gewalt und viel Einfallsreichtum zur Sache geht, während dann wieder der übliche Verräter-aus-den-eigenen-Reihen zuschlägt, den man wieder auf Meilen im Voraus kommen sieht, wenn man das Gehirn nicht ausschaltet.
Gegen Ende werden dann leider wieder persönliche Motive hervor gekramt, die Ehefrau muß gerettet werden, wenn dabei auch der MacGuffin herausspringt, um so besser.
Eine Ellipse vom Beginn des Films mit tödlicher Bedrohung findet dort eine entsprechende Auflösung und der Schlußkampf ist dann von erfreulicher Nüchternheit und keine überzogene Angelegenheit.
Immerhin, soviel ironische Distanz hat man dem Film zugestanden, lässt man die Bergung des Kampfstoffs aus einem Hochhaus in Shanghai außen vor, es bleibt bei einem (wieder mal) großen Höhenstunt und serviert dann nur das Ergebnis, als ahnte man, dass noch eine Actionsequenz des Guten zuviel gewesen wäre.
Ein Angriff auf einen Gefangenentransport auf einer Brücke per Flugzeug und Helikopter, der an „True Lies“ gemahnt (aber sorgfältig gemacht ist), hat sowieso schon jegliches Masseempfinden abstumpfen lassen.
Qualitativ ist das dann alles ein Gemenge, dass genau das liefert, was man von so einem Film mit Cruise erwarten könnte (incl. mehr Konzentration auf seine menschliche Seite), aber auch keinen Deut mehr.
Den Plot hat man sich aus vielen Vorläufern zusammendestilliert, die Action setzt auf vieles, aber nicht auf den nötigen Agentensuspense und „klein aber fein“ scheint zum Fremdwort verkommen zu sein.
Handwerklich sauber – aber ohne eigene Handschrift! Aber hier geht’s um die Kasse – und die wird stimmen. (6/10)