Review

Eins vorneweg: Mission Impossible III besinnt sich auf die guten alten Tugenden.
Er erzählt eine charaktertechnisch ausgefeiltere Geschichte als sie beispielsweise in den ersten beiden Teilen erzählt wurde. Ethan Hunt kommt endlich auch als fühlender Mensch herüber und nicht einfach nur als Schablone eines netten Agenten von nebenan, der zufälligerweise allen anderen Menschen sowohl körperlich als auch geistig überlegen ist.
So kommt es auch nicht von ungefähr, dass in diesem Teil Ethan Hunt immer der Handlung hinterherzuhinken scheint oder öfter als sonst eins in die Fresse bekommt.
Ein bißchen fühlt man sich auch an den George Lazenby Bond erinnert, weil Ethan Hunt verliebt, verlobt, verheiratet daher kommt und schon in der ersten Einstellung ein böses Ende suggeriert wird.

Wenden wir uns mal der Handlung zu: Auch hier heißt es, ein Schritt zurück sind zwei Schritte vorwärts. Endlich wird mal von vorne bis hinten ein Team gezeigt, wie in der ursprünglichen Serie, welche den gesamten Film auch - um es mal vorweg zu nehmen - überleben.
Und damit nicht genug, dieses Team dient Tom Cruise nicht bloß als Kanonenfutter, sie werden auch, so es die Handlung zuläßt, charakterlich durchleuchtet oder dürfen sich tiefergründigere Gespräche mit Ethan Hunt gönnen.
Und zum ersten Mal in der Mission Impossible-Reihe haben wir auch endlich einen Schurken , der dieses Prädikat auch von Anfang bis Ende verdient. Zwar gelingt es Philip Seymour Hoffman nicht, ein ganz großer Schurke der Filmgeschichte zu werden, aber er hat allemal mehr negative Aura als ein Großteil der größenwahnsinnigen Bösewichter aus den Bond-Filmen, und dass er Hunts Frau zu töten versucht, macht ihn nicht unbedingt harmloser.
Dann haben wir ja noch den immer colen Lawrence Fishburne in einer äußerst zwielichtigen Rolle als Vorgesetzter, die er wie immer äußerst souverän ausfüllt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, mit J.J. Abrams, dem serienerprobten Kinoneuling, kommt frischer Wind in die Filmreihe. Der visuelle Overkill auf Kosten der Story der beiden vorangegangenen Teile wird zurück gefahren, die Actionszenen sind überschaubar, dafür aber sehr gut inszeniert.
Für sein Kinodebüt liefert Abrams sehr gute Kost ab, was nicht wirklich abzusehen war, da das Projekt Mission Impossible zwischenzeitlich doch sehr ins Straucheln geraten war (der Verschleiß mererer Regisseure noch vor dem ersten Drehtag, verweigerte Drehgenehmigungen, Tom Cruises zunehmende Publicityprobleme usw.)
Dafür dass man also mit extrem niedrig geschraubten Erwartungen in den Film reingeht, wird man äußerst positiv überrascht.

Nun zu den Schattenseiten von Mission Impossible: Sehr oft hat man das Gefühl, man würde ein Reamake mehrerer sehr guter Serien-Folgen vorgesetzt bekommen, sei es nun Alias (dessen Schöpfer ja Abrams ist) oder 24 (etwa wenn Ethan Hunt in einer sehr mißlichen Situation ist), manches Mal erinnert man sich an Total Recall oder sogar an den ersten teil von Mission Impossible.
Alles in allem heißt das also, dass der Film in vielerlei Hinsicht an alte gute Sachen erinnert. Es gelingt ihm auch nicht die Logik durchgängig beizubehalten, und ganz so spannend wie der erste teil ist er auch nicht.

Dennoch, weil er sich mehr an der Originalserie orientiert, Ethan Hunt mehr Menschlichkeit gibt, endlich einen wirklich bösen Schurken vorweisen kann, sehr gute Actionszenen aufbietet, kann er für einen Sommerblockbluster als gelungen bezeichnet werden.

6 Punkte

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