Review
von Bulletproof_Dad
Wer bei "Stahlkappen" an "American History X" denkt, der liegt ansich nicht sonderlich falsch. Dennoch ist "Stahlkappen" anders.
Grundsätzlich ist die Thematik die selbe, doch war "American History X" durch die grandiose Darstellung Edward Norton's einfach tiefgründiger und intensiver. Warum dieser kanadische Beitrag zum Thema Skinheads und Nazis so lange auf Halde lag, weiß wohl keiner so genau. Gedreht wurde er schon 2006. Doch bei den vielen "Nazi-Streifen" hätte gerade dieser reißerische Titel noch einige Käufer gefunden.
Die Story beginnt, als eine Truppe Skins volltrunken vom Nazi-Konzert aufbricht. Saufend und knutschend prollt man sich durch die Gegend. Als aus einem Diner ein indischer Hilfskoch auftaucht und den Anführer Mike Downey (Andrew Walker) mit altem Bratensaft bespritzt. Dieser rastet vollends aus und schlägt den Mann halb tot. Er überlebt, stirbt allerdings wenige Tage nach dem Angriff im Krankenhaus an seinen schweren inneren Verletzungen. Somit wandert der Schwachkopf in den Bau.
Nun wird ihm ein Pflichtverteidiger zugewiesen. Interessanterweise ist Anwalt Danny Dunckelman (David Strathairn, "Am wilden Fluss", "L.A. Confidential) ein gläubiger Jude, der gerade wegen Rassenhass eine schwere Kindheit gehabt hat.
Der Film hat wenige Schauwerte zu bieten. Das macht aber nicht wirklich etwas, da der Hauptcharakter sich ja bekanntermaßen im Knast befindet. Wunderlich ist hier nur, das es sich zwar um "Untersuchungshaft" handelt, er scheinbar aber nicht einmal einen Hofgang machen darf oder dergleichen. Mikes Charakter wandelt sich. Zuerst windet er sich in patriotischem Nonsens und einer gewissen selbstzerstörerischen Art um dann die Resozialisierung anzugehen welche dann im finalen Plädoyer vor Gericht endet. Schlimm daran ist, das der vermeintlich intelligente Junge alles dem couragierten Anwalt nachplappert. Es lernt quasi dessen Wortwahl auswendig. Im Gegenpart hat Anwalt Danny ebenso Probleme. Der junge Faschist zermürbt ihn nach und nach. Seine Ansichten sind wie ein Peitschenhieb und so knabbert Danny immer mehr an seinem Privatleben. Der Keks bricht dann, als seine Frau sich genervt aus dem Staub macht. Somit haben wir also zwei grundverschiedene Hauptprotagonisten mit diversen Problemchen.
Die Erzählstruktur ist in Ordnung, die Darstellung der Personen ebenfalls. Nervig wird mitunter nur die musikalische Untermalung. Erfreulich ist auch, das der religiöse Aspekt nicht stark ausgetreten wird. Dennoch ist "Stahlkappen" kein großer Wurf. Das Gesamtbild ist einfach zu plakativ und wenig interessant oder gar unterhaltsam gestrickt. Man hat weder einen Sympathieträger, noch einen den man richtig auf die Fresse hauen will. Dafür kommt der Bösewicht zu brav rüber.
Fazit:
Nicht Fisch, nicht Fleisch - Aber dennoch ansehbar. Wer ein Meisterwerk wie Kaye's "American History X" erwartet, der wird leider enttäuscht, wenngleich die Thematik aus ähnlichen Fäden besteht.
5/10