Review

X-Men 3, eine Momentaufnahme:

Soeben komme ich aus dem Kino und der Film X-Men 3 splittert und hämmert immer noch in meinem Schädel! Um es vorweg zu sagen: der Film ist richtig gut! Die Bedenken, die ich anlässlich des Wechsels auf dem Regiestuhl hatte, sind weitestgehend verflogen. Nun, o.K., einige dramaturgische Unsauberkeiten sind für den Handwerker und Kenner sichtbar - da fehlte es an einigen eher "leisen" Szenen an der nötigen bildkompositorischen Präzision. Und in der Schauspielführung ließ Herr Ratner dem einen oder anderen Schauspieler allzu lange Zügel. Schwamm drüber! Spätestens nach den beiden einleitenden, erklärenden und recht menschelnden Szenen war ich schon wieder am Haken der X-Men. Als die Titelsequenz dann tobte, war mir klar, dass hier eine andere Gangart gewählt wird, als es noch bei den ersten beiden Teilen der Serie der Fall war. Entschuldigt meine Wortwahl, aber: meine Fresse, wie viele Orchester durfte John Powell, der Komponist, denn hier gleichzeitig bedienen? Das schwoll und schwoll nur so und strengte sich erfolgreich nach Leibeskräften an, Michael Kamen (R.I.P.) die musikalische Wurst vom Teller zu holen. Da waren gerade mal zehn Minuten um und ich schwebte so etwa einen Meter über dem Kinosessel, dick eingewickelt in eine Faszinationsgänsehaut. Der Rest ist dann Geschichte. Wieder einmal geht es um die beiden großen, moralischen Themen Toleranz und Verantwortung. Die Rollen sind wie gewohnt sympathisch verteilt und dadurch, dass sowohl bei den Mutanten als auch den Menschen Gut und Böse herrscht, verdoppelt sich das schwarz/weiß-Paradigma üblicher Comic-Verfilmungen mit viel Raum für die Grauzone. Was in den ersten beiden Teilen der Serie noch ein beschauliches Spiel der Einzelnen war, gestaltet sich im dritten Teil zunehmend zu einer Orgie der Massen. Der Film ließ mich gegen Ende wie ein kleines Kind, verzaubert durch einen riesigen Rummelplatz, in den Sitz genagelt auf die Leinwand starren, als dieses von den Weta-Zauberern mit Myriaden von Pixeln auf die Leinwand gezauberte Schluss-Spektakel einsetzte. Da wusste ich, dass ich im neuen Kinojahrtausend angekommen bin.

Und noch etwas: bitte bleibt bis zum Ende, also nach dem Abspann, im Kino sitzen – ihr verpasst sonst noch eine wichtige Szene, die als Nachklapp geliefert wird!

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