Review

X-Men 3

Ich möchte mich nicht als Fan der X-Men Reihe bezeichnen, dennoch darf man die ersten beiden Teile dieser Reihe man meiner Ansicht nach neben „Sin City“ eindeutig zu den gelungensten Comic-Verfilmungen zählen, wobei Regisseur Bryan Singer den ersten Teil mit seiner Fortsetzung von 2003 eigentlich sogar noch einmal in allen Belangen getoppt hat.
Dritte Teile sind allerdings immer so eine Sache und wenn sie wie hier auch noch unter dem Zeichen eines Regiewechsels stehen, gehen die Erwartungen schon instinktiv ein wenig herunter.
Doch Brett Ratner, der neue auf dem Regiestuhl, schlägt sich wirklich wacker.
Storytechnisch hat man es tatsächlich geschafft eine interessante Geschichte mit einem frischen Kern zu schreiben, ohne dass den X-Men und ihren Gegenspielern die Chance geraubt wird sich, wie schon in den vorherigen Teilen, richtig auszutoben.
Was die X-Men-Reihe erstlinig von vielen anderen, vergleichbaren aber qualitativ schlechteren Filmen unterscheidet, sind die guten Charakterzeichnungen. In dieser Hinsicht tut sich in X-Men 3 allerdings fast gar nichts neuartiges, die Charaktere sind das, was sie auch in den vorherigen Teilen schon waren. Den größten Sympathiebonus besitzt nach wie vor Hugh Jackman alias Wolverine, der auch hier wieder einige herrlich kautzige Sprüche ablassen darf, im Ernstfall aber auch wirklich hart zulangt.
Nach einem wirklich gelungenen, interesseweckenden Vorspann wird die Sache erst einmal gewohnt ruhig angegangen und in regelmäßigen Abständen von spektakulären Actionszenen unterbrochen, die sich von Mal zu Mal steigern – bis hin zum Effektgewitterfinale.
Neben Wolverine bleibt das Hauptaugenmerk auf den Figuren des wie immer sympathischen Dr. Xavier (Patrick Stewart),seines nicht minder charismatischen Widersachers Magneto (Ian McKellen) und der neu eingeführten Figur des Dr. Hank McCoy. Auch andere Schicksale werden beleuchtet oder besser gesagt angerissen – und genau hier liegt auch die einzige wirkliche Schwäche von X-Men 3: Die Einzelschicksale von Rouge (Anna Paquin) oder Angel (Ben Foster) sind zwar eigentlich kaum minder interessant, werden aber eher wie im Vorbeigehen an den wichtigsten Stellen gestreift und selbst ehemals tragende Figuren wie Storm (Halle Berry) erscheinen hier eher wie Nebenfiguren. Hierbei bekommt Ratner teilweise Probleme mit dem Tempo, mal geht alles auf Kosten der Charakterzeichnung zu hektisch zu und einigen (wenigen) anderen Szenen kann man eine gewisse Langatmigkeit nicht absprechen. Doch von diesen kleinen Hängern und Schwächen abgesehen kann sich X-Men 3 wirklich sehen lassen.
Die Geschichte ist interessant und spannend, die Helden und ihre Gegner sind (primär durch die Vorgängerteile) charakterlich gut und unterschiedlich gezeichnet und die Effekte erweisen sich als erwartungsgemäß protzig und spaßig. Action, humorvolle (besonders der herrliche Auftritt von Vinnie Jones weiß zu gefallen) und angenehm ernste bis traurige Passagen wechseln sich in gutem Zusammenspiel ab und das Drehbuch weiß in der Mitte sogar einmal hinsichtlich seiner konsequenten Art richtig zu überraschen.
Das groß angelegte Finale verwandelt sich letztlich in ein wirklich spaßiges Feuerwerk und darf als Höhepunkt des Films betrachtet werden.
Und besonders in der letzten Szene (vor dem Abspann) erlaubt sich Ratner noch einmal eine wirklich herrliche, gemeine Spielerei mit der Erwartungshaltung des Zuschauers (Stichwort: Schachspiel) – eine bessere Endszene habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Beziehungsweise handelt es sich hierbei genauer gesagt leider nicht ganz um die absolute Endszene, denn für alle, die auch beim Abspann noch auf dem Kinosessel sitzen bleiben, hält der Film noch eine kleine oder eher große, ja eigentlich sogar sehr große Überraschung bereit – und das erste Mal muss ich sagen, dass man sich diesen „Abspanngag“ nicht nur hätte sparen können, sondern auch sollen, denn dieser wichtige Eingriff in die Handlung nimmt dem Film letztlich ein wenig von seiner Tiefe.
Insgesamt darf man aber wirklich froh sein und kann Brett Ratner ein eindeutiges Lob aussprechen: X-Men 3 ist ein wirklich würdiger Abschluss der Trilogie (?), der die Vorgänger nicht toppt und sicher hier und da seine Schwächen besitzt, aber letztlich doch deutlich besser ist, als man von einem dritten Teil hätte erwarten können. Überzeugende 8/10

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