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Aller guten Dinge sind drei – das gilt auch für die Abenteuer der X-Men. „The Last Stand“ so der Titel des neuesten Ablegers der Superheldenreihe aus dem Marveluniversum, denn der finale Kampf zwischen Mutanten und Menschen hat begonnen!

„X-Men“ gehört ohne Frage zu den besten Comicadaptionen bisher und die Fortsetzung setzte dem noch auch eins drauf. Sorgfältig ausgearbeitete Charaktere in einem packenden Leinwandabenteuer, das war das Rezept von Bryan Singer. Da dieser für den dritten Teil nicht mehr zur Verfügung stand und lieber am neuesten Superman arbeitete, musste der Posten des Regisseurs neu besetzt werden. Verpflichtet wurde letztendlich Brett Ratner, ein solider Handwerker aber kein Genie, der bereits Streifen wie „Rush Hour 1 & 2“ inszenierte. Die Umsetzung von X-Men: The Last Stand stand also schon zu Beginn nicht gerade unter einem guten Stern.

Ganz ungerechtfertigt waren die Befürchtungen ob Teil 3 mit den beiden Vorgängern mithalten jedenfalls nicht, denn Ratners Inszenierung unterscheidet sich schon etwas von der Singers. Größter Kritikpunkt gleich vor vorweg, die Story lässt sehr zu wünschen übrig und hätte oberflächiger kaum sein können.
Einen vielschichtigen Charakterplot gibt es nicht, stattdessen den großen Kampf zwischen Magnetos Mutanten und Xaviers X-Men, die sich einmal mehr auf die Seite der Guten stellen.
Es wurde ein Heilungsmittel gefunden, welches alle Mutanten von ihren Kräften befreit und sie in gewöhnliche Sterbliche verwandelt. Magnetos Schergen sehen das natürlich gar nicht gern und nutzen dies für einen großen Feldzug gegen die Menschen. Jean Grey ist unterdessen von den Toten auferstanden, mächtiger denn je aber nicht in der Lage ihre Persönlichkeit zu kontrollieren…

X-Men 3 verspricht phantastisches Popcorn-Kino und kann zumindest in diesem Punkt überzeugen. Die Actionszenen gehören zu den furiosesten der letzten Zeit und die Effekte sind vom feinsten. Ich möchte nur einmal den finalen Showdown auf der Golden Gate Bridge und Alcatraz hervorheben, der einen optischen Leckerbissen nach dem nächsten bereithält. Mein persönliches Highlight ist eine Szene in Jean Greys Elternhaus, die mir regelrecht den Atem stocken ließ, auf die ich ohne zu spoilern jedoch nicht weiter eingehen kann. Einfach nur Wow! Ratner versteht es zumindest in diesem Punkt dem Film gerecht zu werden, wie schon oben erwähnt mangelt es ihm aber an Feingefühl für seine Figuren. Dabei gehört X-3 zu den wohl am besten besetzten Filmen seit langem: Sir Ian McKellen (Der Herr der Ringe), Patrick Stewart (Star Trek), Hugh Jackman und Halle Berry geben sich ein Stelldichein. Es fehlt aber an intelligenten und tiefsinnigen Dialogen, was bei gestandenen Ausnahmedarstellern wie Stewart und McKellen schon etwas sauer aufstößt. Die vielschichtige Beziehung zwischen Beiden kommt kaum zum tragen, stattdessen wird ein Krieg vom Zaun gebrochen der zwar interessant aber gleichmaßen unnötig ist. Halle Berry und Famke Janssen dürfen leider auch nicht viel mehr als hübsch aussehen und ihre Kräfte spielen lassen. Immerhin überzeugt Jackmans Wolverine als gestandener Actionheld, trägt den Film aber nicht mehr so sehr wie in den beiden vorangegangenen Teilen. Kelsey Grammer besser bekannt als Dr. Frasier Crane aus der Sitcom "Frasier" (!!!) ist wohl die kurioseste Besetzung, macht als Beast aber eine gute Figur.

Liebhaber der Comics werden daher wahrscheinlich etwas enttäuscht sein wie stiefmütterlich Ratner hier mit seinen Helden umgeht. Um nicht zu spoilern sei verraten das einige Charaktere völlig unnötig der Action willen ihr Leben lassen. Neue Figuren ob gut oder böse, gibt es dafür zuhauf. Es bleibt aber keine Zeit ausführlich auf ihren Hintergrund oder ihre Kräfte einzugehen. Viele dienen nur als Kanonenfutter oder um mal kurz ihre Fähigkeiten zu demonstrieren, mehr als ein markiger Oneliner ist da nicht drin. Das ärgert besonders bei Angel oder Juggernaut, Figuren die optisch viel her machen, aber schlichtweg versemmelt werden. Den Frischlingen aus X-2 wird ebenfalls nicht genügend Leinwandpräsenz zugestanden, schließlich werden sie sofern es weitere Filme gibt, einmal das Zepter übernehmen müssen. Viele Schlüsselszenen, so beispielsweise der Fight zwischen Pyro und Iceman, schöpfen nicht ihr Potential aus. Nunja, bei einer Länge von nur 107 Minuten darf man wohl nicht zuviel Tiefgang erwarten, die Handlung wirkt insgesamt sehr gestrafft, so als wären mal wieder wichtige Passagen ausgelassen worden.

Fazit:
X-Men: The Last Stand ist gutes Popcornkino, kurzweilig und unterhaltsam. Leider mangelt es an der Charakterzeichnung die Singers Vorgänger auszeichnete, vom vielleicht (?) finalen Abschluss der Saga habe ich mir persönlich etwas mehr erhofft.

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