Review

Nachdem für die vorherigen Teile Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“) auf dem Regiestuhl Platz nahm, war jetzt ein Anderer an der Reihe: „Rush Hour“-Regisseur Brett Ratner durfte für den dritten Film der „X-Men“-Reihe ein Budget von 150 Mio. $ verheizen. Dieses Geld sieht man der tricktechnisch perfekten Comicadaption aber auch an: Die Special Effects sind top, das Drehbuch dramaturgisch ausgefeilt, der Plot anspruchsvoll, da politisch.

Zur Story: Ein Wissenschaftler entwickelt mithilfe eines jungen Mutanten ein Serum, welches das X-Gen von Mutanten neutralisiert und sie zu ganz normalen Menschen ohne außergewöhnliche Kräfte macht. Während Professor Xavier (Patrick Stewart, „Star Trek: The Next Generation“) und seine X-Men die politische Entwicklung kritisch betrachten, sehen sich Magneto (Ian McKellen, „Der Herr der Ringe“) und ein paar weitere Mutanten in ihrer einzigartigen Existenz bedroht: Sie formen eine Armee und wappnen sich zusammen mit der als böse Dark Phönix wieder auferstandene Jean Grey (Famke Janssen, „Lord of Illusions“) zur entscheidenden Schlacht gegen die Einführung des „Heilmittels“…

Gut ist auch an diesem dritten Teil der Mutantensaga, dass er sich nicht auf ein pures, plattes Actionspektakel reduzieren lässt. „X-Men: Der letzte Widerstand“ hat Tiefgang: Mit den Problemen von Integration und Akzeptanz, welche am Beispiel der Mutanten abgehandelt werden, erreicht der Film ungeheuer aktuelle politische Brisanz. Die Mutanten müssen ebenso wie unterdrückte Minderheiten in der Bevölkerung um Anerkennung kämpfen, die ihnen gemeinhin nicht widerfährt.
Doch glücklicherweise wird dabei – soweit wie möglich – mit langen, öde-pathetischen Dialogen zugunsten tricktechnisch perfekter Action gespart. Auch wenn man „X-Men 3“ gelegentlich so etwas wie Effekthascherei durchaus attestieren kann (jeder Mutant darf zur Genüge mehr oder weniger nötig zeigen, was er so drauf hat), wiegt doch die emotionale und dramaturgisch ausgefeilte Story schwerer. Vater-Sohn-Konflikte, Liebe, Eifersucht – hier wird beinahe auf der gesamten Klaviatur menschlicher oder übermenschlicher Gefühle gespielt. Dass dabei jedoch der mitreißende Funke nicht so recht überspringen will, ist dann doch dem Action-Bombast geschuldet, in dem ausgefeilte Charakterzeichnung nun einmal seit jeher ein Fremdwort darstellt. Die Golden Gate Bridge wird schon mal eben „verlegt“ und die finale Schlacht ist so spannend und laut, dass auch Fans des Popcorn-Actionkinos voll auf ihre Kosten kommen. Schade nur, dass „X-Men 3“ am Ende diese Konsequenz vermissen lässt: Magneto hat seine Kräfte nun scheinbar doch nicht verloren und Professor Xavier scheint auch – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht tot zu kriegen. Denn obwohl dies – wie angekündigt – der letzte Teil der Mutantenreihe sein soll, konnte man sich ein ärgerliches Cliffhanger-Ende doch nicht ersparen.

Fazit: „X-Men 3“ hat auch den letzten Widerstand gebrochen. Die Action ist tricktechnisch perfekt, der äußerst kurzweilige Film liefert durchaus nachdenkenswerte Ansätze über Toleranz und Integration. Schade nur, dass die krude anmutenden Zeitsprünge in der Exposition und das Cliffhanger-Finale unausgegoren wirken. Trotz ein paar Längen und Effekthascherei glückt der mitreißende Mix aus Fantasy-Action und Politdrama doch weitestgehend. Bestes Popcornkino mit etwas Tiefgang – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

7,6 von 10 Punkten.

PS: Den Abspann zu Ende zu sehen lohnt sich diesmal -wirklich!

Details
Ähnliche Filme