Das dritte Abenteuer der Mutanten ist der schlagende Beweis dafür, wie wichtig ein visionärer und innovativer Regisseur gerade auch für einen hoch budgetierten Hollywood-Blockbuster ist. So verpassten die beiden ersten „X-Men“-Verfilmungen dank Regisseur Brian Singer (der sich schon zuvor mit seinem genialen „Die Üblichen Verdächtigen“ in die Filmgeschichte eingetragen hatte) nicht nur dem angestaubten Superheldengenre neuen Schwung, sondern sind darüber hinaus zu den besten Filmen im Action-Bereich der letzten zehn Jahre zu rechnen. Das liegt weniger an den Actionsequenzen selbst, sondern an intelligenten und vielschichtigen Stories, die neben dem spannenden Plot und lebendigen Charakteren auch noch humanistische, sozialkritische und philosophische Ansätze zu bieten haben.
Nun hat Singer ja bekanntlich statt „X-Men 3“ lieber den mit Spannung erwarteten „Superman Returns“ inszeniert, und als seinen Nachfolger verpflichtete Fox ausgerechnet Brett Ratner („Rush Hour 1 + 2“), was bei Fans für einiges Kopfschütteln sorgte. Ratner hat sich in der Vergangenheit trotz seines gutklassigen „Red Dragon“ kaum als besonders begabter Filmemacher erwiesen, aber seine Filme sind eben erfolgreich, und deshalb wohl seine Wahl.
Eine Katastrophe ist „X-Men 3“ trotzdem zum Glück nicht geworden; im Gegenteil. Hat man seine Erwartungshaltung schon im Vorfeld nach unten korrigiert, so muss man sagen: Der Film macht Spaß. Betrachtet man den Film hingegen von der hohen Warte der ersten beiden Teile aus, so kann man schon enttäuscht sein. „X-Men 3“ ist eine bombastische Materialschlacht, in der im beinahe pausenlosen Dauerfeuer der Effekte die Charaktere zwangsläufig zu kurz kommen; auf die anspruchsvolleren Untertöne wurde zugunsten des Kravalls fast gänzlich verzichtet.
Sieht man „X-Men 3“ jedoch als reines Actionspektakel an, so wird man gut unterhalten, und als dritter Teil zieht sich der Film erheblich besser aus der Affäre als seinerzeit der – im Vergleich zum Erstling – erschreckend flache „Matrix Revolutions“. Der Film ist kurz genug, so dass keinerlei Längen aufkommen, die Figuren aus den ersten beiden Filmen sind fast vollzählig wieder da, die Handlung ist solide, und Wolverine würzt das Ganze mit zahlreichen Onelinern. Die Actionszenen sind extrem aufwendig und mit größtenteils exzellenten Effekten umgesetzt – man sieht dem Film sein Budget, das Branchenkenner auf 210 Millionen Dollar schätzen (auch wenn das Studio „nur“ 165 Millionen Dollar angibt) zur Gänze an.
Mal sehen, ob es noch einen vierten Teil oder nur ein geplantes Wolverine-Spin-off geben wird; in Anbetracht dieser enormen Kosten und der steigenden Gagen liegt der Break-Even-Point sehr hoch, und trotz hoher Einspielergebnisse der ersten beiden Teile spielen die X-Men kommerziell gesehen doch eine Liga unter „Spider-Man“, der selbst solche gigantischen Budgets leicht und locker wieder reinholt. In Anbetracht von Kosten über 200 Millionen Dollar stellt sich jedoch auch bei erfolgreichen Franchises für die Filmstudios irgendwann die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, den Film zu drehen. Möglicherweise werden die Studios in Zukunft davon absehen, solche Risiken einzugehen, wenn man sich beispielswese das enttäuschende Einspiel von sicher geglaubten Hits wie „Mission Impossible 3“ oder gar den kürzlichen finanziellen Schiffsbruch von Wolfgang Petersens „Poseidon Inferno“-Remake (Prodkuktionskosten von mindestens 160 Millionen Dollar, US-Einspiel knapp über 40 Millionen Dollar) anschaut. Übrigens hat Brian Singer bei seinem „Superman Returns“ noch mehr Geld als Brett Ratner verbraten; das Studio spricht von 185 Millionen Dollar, die Schätzungen der Insider bewegen sich aber eher zwischen 250 und 300 Millionen Dollar (wobei nicht sicher ist, ob die Entwicklungskosten von 45-65 Millionen Dollar, der der Film im Laufe der letzten zehn Jahre schon verschlungen hat, da mit eingerechnet sind) – das ist pure Gigantomanie.
Aber zurück zu den Mutanten: Vom reinen Unterhaltungswert her würde ich für „X-Men – Der letzte Widerstand“ 8/10 ansetzen – als Fortsetzung der beiden sehr gelungenen ersten Teile aber einen Punkt weniger. Macht summa summarum 7,5/10.