Aller guten Dinge…sind selten drei, wenn es um Filmtrilogien geht, denn zumeist fällt ein Teil gegenüber den anderen Filmen ab, manchmal signifikant, manchmal leicht.
Um so erfreulicher ist es zu vermelden, dass „X-Men : Der letzte Widerstand“ endlich einmal nicht in diese Kategorie fällt.
Zwar kann man sich des Verdachts eines gewissen Substanzverlusts nicht erwehren, aber insgesamt wird die Mutantensaga dennoch zu einem wenn schon nicht auf ganzer Linie befriedigenden, aber dafür relativ runden und spektakulären Ende geführt.
Inhaltlich folgt man den Vorgaben, die die ersten beiden Teile lieferten: das Verhältnis zwischen Menschen und Mutanten ist halbwegs gekittet, aber es ist ein brüchiger Friede. Denn Magneto sät natürlich wieder Unfrieden und sammelt die Mutanten um sich, als ein genetisches Heilmittel gegen das Mutationschromosom entdeckt wird. Wie schon das Ende des zweiten Teils andeutet, kehrt auch Jean Gray in einer neuen, allerdings weitaus unkontrollierbareren Inkarnation zurück. Und die jungen X-Men müssen sich erstmals bewähren, als es am Ende Mutant gegen Mutant heißt…
Wenn man etwas böses Blut verspritzen will, erklärt man den Film als eine einzige einstündige Vorbereitung auf 45 Minuten Showdown, aber dafür gibt es dann doch zuviel erzählerische Substanz im dritten Teil.
Eingebüßt hat die Geschichte allerdings, hauptsächlich an Charaktertiefe, denn dafür bleibt einfach zu wenig Zeit (eine Viertelstunde mehr hätte dem Film nicht schlecht getan).
Die Autoren waren bemüht, die meisten Fäden wenigstens vorerst zu einem Ende zu verknüpfen und das war eine Menge Arbeit, so dass einige Charaktere leicht verflachten.
Patrick Stewarts Professor Xavier etwa, hat leider im Konflikt um die unberechenbare Phoenix/Jean Gray meistens nur Platitüden anzubieten, während die kriegstreiberischen Ängste Magnetos angesichts des Heilmittels stark forciert wirken. Denn obwohl er hier anfangs noch parliert, die Menschen würden das erste Blut vergießen, geht später er mit seinen Anhängern brandlegend in die Offensive.
Halle Berrys Rolle wurde vertragsgemäß ein wenig aufgeforstet, hat aber nichts außer etwas Mütterlichkeit zu zeigen, was auch schwer ist, wenn man neben einer Charismaikone wie Hugh Jackman alias Wolverine agieren muß.
Pluspunkte verdient sich sicherlich im Ersteinsatz „Frasier“ Kelsey Grammar als Beast, der wirklich nahe an der gezeichneten Figur angelegt ist. „Pyro“ und „Ice“ haben ihre Bitparts für die Teeniefraktion zu spielen, während Anna Paquins Rogue so gut wie gar nichts zu tun hat, weil den Autoren wohl nichts dazu eingefallen ist.
Die sonst vielbespielten Themen rund um Fremdenangst und Antisemitismus, um politisches Gezerre werden hier nur als Aufhänger benutzt, der Präsident ist eine eher fügsame als kontroverse Figur und der Konflikt wirkt wie gesagt ein bisschen forciert.
Auch an Humor ist dieser Film ärmer geworden, aus „Wolverine“ ist nicht mehr eine One-Liner-Maschine geworden, sondern ein eher ernster und wilder Charakter.
Zu wenig wird auf Jean Gray/Phoenix eingegangen, die nun zum Über-Mutanten mutiert, deren Rolle und deren Richtung nie so ganz klar wird. Zwar ist es klar, dass die Identitäten in ihrem Körper wechseln, aber allein die wegwerfende Art, wie sie einen der Charaktere erst anlockt, um ihn dann (außerhalb des Bildes) abzuservieren, zeigt, wie wenig die Autoren anscheinend an den Figuren hängen.
Das liegt aber auch an der Grimmigkeit des Drehbuchs, das offenbar hauptsächlich damit beschäftigt war, möglichst viele der bekannten Charaktere aus den ersten Teilen über die Klinge springen zu lassen.
Um schlussendlich mittels des Schlußbildes die gewonnenen Erkenntnisse wieder zu relativieren.
So bleibt denn vor allem eines: ein Fest fürs Auge.
Und auch wenn Regisseur Brett Ratner allerhöchstens ein begabter Handwerker im Actiongenre ist, gelingt es ihm in diesem Fall, Bryan Singers visueller Linie recht ordentlich zu folgen. Einfallsreiche Action- und Kampfsequenzen geben sich die Klinke in die Hand und so ziemlich jede Figur hat hier wenigstens eine gute Szene (von „Rogue“ mal abgesehen).
Das Finale mit der Versetzung der Golden Gate Bridge ist sogar superb, was monumentale Bilder angeht und der Schlußkampf ist wirklich vom Feinsten.
Dennoch regieren die Sensations- bei den Schauwerten – es ist eben ergreifend, die vielen Charaktere sterben oder zum normalen Menschen werden zu sehen, aber insgesamt hat man manchmal den Eindruck, dem aufwändigen Staffelfinale einer trickreichen TV-Serie beizuwohnen, was auch das offene Ende andeutet.
Insgesamt eine knackige und imposante Pracht, die aber style over substance setzt und nur deswegen zum Leben erweckt wird, weil die Vorgänger so gute Arbeit in Charakterfragen geleistet haben. Für dieses Mal hilft das noch für 7/10, eine eventuelle Fortsetzung braucht bessere Autoren und einen wesentlich besseren Regisseur.