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Mit neuen Autoren und neuem Regisseur geht die „X-Men“-Saga in Runde drei, doch fällt den Vorgängern gegenüber ab.
Es herrscht bröckeliger Friede zwischen Menschen und Mutanten, doch ein Pharmakonzern sorgt für Aufruhe: Aus einem Mutanten kann sie ein Mittel gewinnen, das aus Mutanten wieder normale Menschen macht. Einige sehen als Heilung an, andere als Mittel der Gleichmachung und es bleibt die Frage: Werden die Menschen eventuell den Zwang einführen das Mittel einzunehmen? Damit stellt „X-Men 3“ eine interessante Frage, doch von da an werden die Subtexte um Rassismus und Verfolgung anderer leider im Gegensatz zu den Vorgängern stark reduziert.
Die X-Men um Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) erleben derweil eine Überraschung: Jean Grey (Famke Janssen) hat den Dammbruch am Ende des zweiten Teils überlebt, doch damit ist ihre unterbewusste Seite befreit worden: Dark Phoenix. Dark Phoenix hat größere Kräfte als alle anderen Mutanten, kann sie aber nicht kontrollieren und so streiten sich Jean und Dark Phoenix beständig um die Kontrolle über den Körper. Ein paar nette Rückblenden erläutern zudem die Bindung, die sowohl Xavier als auch Magneto (Ian McKellen), der Führer der menschenfeindlichen Mutanten, zu Jean haben.

Magneto nutzt die Kontroverse um das Heilmittel, um eine Armee von Mutanten um sich zu scharren und zum Krieg aufzurufen. Auch Dark Phoenix’ Kräfte will er dabei nutzen, doch die X-Men bereiten sich zum letzten Widerstand vor…
„X-Men 3“ fällt deutlich weniger episch als die Vorgänger (vor allem Teil zwei) aus und versucht die Geschichte zu einem flotten Ende zu bringen. So fallen viele Subplots arg knapp aus, gerade das in Teil zwei aufgebaute Spannungsverhältnis um die Youngster Rogue (Anna Paquin), Pyro (Aaron Stanford) und Iceman (Shawn Ashmore) kommt arg kurz. Lediglich die Verhandlung von Rogues Dilemma, ihre todbringenden Kräfte loswerden zu wollen, bringt noch etwas Tiefgang hinein, andere Ansätze bleiben reine Ansätze, z.B. der Mutantensenator Beast (Kelsey Grammar), oder könnten glatt weggelassen werden, z.B. die Story um Angel (Ben Foster). Storm (Halle Berry) bekommt hier mehr Platz, während der in den Vorgängern dominante Wolverine (Hugh Jackman) leider mit deutlicher weniger Screentime auskommen muss.
Doch während „X-Men 3“ auf der Charakterseite schwächelt, weiß der Plot vom letzten Gefecht zu überzeugen. Innovativ ist die Story trotz des „X-Men“-Gewandes vielleicht nicht, aber doch recht spannend gemacht, da „X-Men 3“ sich traut diverse Charaktere dahinzumetzeln oder ihrer Kräfte zu berauben. Insofern bildet er einen mutigen, würdigen Abschluss der „X-Men“-Saga, auch wenn die letzten Szenen halbherzig noch Raum für eine weitere Fortsetzung offenlassen. Doch in diesem Film hat man mal wieder wirklich Sorge um die Charaktere, da auch Sympathieträger nicht geschont werden. Große Längen hat „X-Men 3“ aufgrund der reduzierten Laufzeit auch, wenngleich dies auch der Grund für die bereits erwähnte Reduktion von Subplots und Tiefgang ist.

Im Bereich Action ist auch „X-Men 3“ reiner Bombast und zündet, wenngleich Brett Ratners Film noch mehr over the top als die Vorgänger ist. Will heißen: weniger handgemachte Action (Wolverine kommt z.B. etwas weniger zum Einsatz), stattdessen massig CGI-gestützte Vernichtungsorgien. Die sehen auch gut aus, ermüden in ihrer Häufung aber etwas (gerade das Finale übertreibt es leider). Auch die neuen Fieslinge, z.B. Juggernaut (Vinnie Jones), kommen in den Kampfszenen aufgrund der zahllosen FX nicht so recht zur Geltung, doch trotz erwähnter Abstriche machen die Actionszenen Laune.
Darstellerisch befindet sich „X-Men 3“ dafür auf dem gleichen Niveau wie die Vorgänger; nur geringe Akzentverschiebungen sind zu vermerken. Wolverine reißt weniger coole Sprüche und ist weniger animalisch, was aber angesichts diverser Schicksalsschläge Sinn macht und Storm wird zu einer eher mütterlichen Figur entwickelt. Besondere Anforderungen werden dieses Mal zudem an Famke Janssen gestellt, welche die zwei Gesichter von Jean Grey/Dark Phoenix mimisch sehr gut rüberbringt.

Abgesehen von den etwas halbherzigen Endszenen ist „X-Men 3“ ein auf jeden Fall sehr konsequenter Film und kann aufgrund des rigorosen Ausdünnens der Riege durchaus als Abschluss stehen bleiben, doch leider kann er nicht den Tiefgang von Bryan Singers Vorgängerfilmen erreichen. In den Actionszenen wird der Rechenknecht etwas zu sehr beschäftigt, aber diese überzeugen auch in diesem Werk, sodass „X-Men 3“ trotz seiner Unterlegenheit den Vorgängern gegenüber eine sehenswerte Comicverfilmung ist.

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